als NAX-Pate aktiv im arabischen Raum

Arabischer Raum Fragen an Prof. Tobias Wallisser, Gründer, LAVA – Laboratory for Visionary Architecture

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Prof. Tobias Wallisser, LAVA – Laboratory for Visionary Architecture

 

NAX: Lieber Herr Prof. Wallisser, das Büro LAVA plant und baut nicht nur in Deutschland, sondern auch international Gebäude, die mit den Aspekten Nachhaltigkeit und Energieeffizienz auf vielen Ebenen zukunftsfähig sein werden. Welche Projekte sind hier für Sie hervorzuheben und warum?

 

Wallisser: Seit dem Gewinn des Wettbewerbs für das Stadtzentrum der Stadtplanung von Masdar, einer von Norman Foster als Co2-freie Stadtentwicklung konzipierten Projekts in Abu Dhabi 2009 haben wir uns mit Möglichkeiten zur Integration von regenerativen Energien und nachhaltigen Maßnahmen für Stadtentwicklungen im arabischen Raum befasst.

Nach dem von Schirmen überspannten ersten öffentlichen Platz in einem Wüstenklima haben wir eine Stadt in einer zerklüfteten Landschaft in Saudi Arabien und einen Campus für die „King Abdulaziz City of Science and Technologie“ (KACST), einer Forschungsuniversität in Riad entworfen. Daneben haben wir Forschungsgebäude in Saudi Arabien gebaut, die mit passiven Maßnahmen den Kühlbedarf reduzieren, unter anderem ein Gebäude für SIPCHEM in Al Khobar, das 2015 fertiggestellt wurde. Derzeit ist das zentrale Gebäude für KACST, ein 17-geschossiges orts- und klimaspezifisches Verwaltungshochhaus im Bau.

 

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Sipchem Forschungslabor al Khobar, 2015

 

NAX: Mit welchen Herausforderungen der Klimaschutzmaßnahmen vor Ort wurden Sie konfrontiert, und welche Unterschiede in Ausführung und Planung haben sie grundsätzlich beim energetischen Bauen / Sanieren im Ausland festgestellt?

Wallisser: Wenn man aus Deutschland kommt, geht man zunächst davon aus, dass es darum geht, ein Gebäude so zu isolieren, dass die Auskühlung verhindert wird. Im arabischen Klima geht es zunächst darum, die Gebäude angenehm kühl zu temperieren.

 

Wir haben also weniger eine Wärmedämmung als eine Kältedämmung - unser Gebäude für Sipchem ist wie eine große Kühlbox konzipiert. Die Sonneneinstrahlung ist stärker, die Sonne scheint mehr von oben und gleichzeitig ist der Himmel weniger diffus, so dass ein Oberlicht mit 10% Öffnung bereits den gleichen Lichteinfall wie eine komplette Verglasung in Deutschland bietet. Die größten Probleme mit Überhitzung ergeben sich nicht auf der Südseite, sondern an nach Südost und Südwest orientierten Flächen.

Beim Einsatz von Glasflächen und Solarmodulen müssen Sandstürme beachtet werden, die Glasfassaden und PV-Module mit feinem Sand überdecken. Das erfordert eine Reinigung mit Wasser, einer wertvollen Ressource, die gleichzeitig gespart werden muss. Das heißt, basierend auf einem anderen Klima gibt es andere Erfahrungen, die beachtet werden wollen, um gemeinsam mit den Auftraggebern eine angemessene Lösung zu entwickeln.

 

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KACST Forschungscampus 2010 – 2016

 

NAX: Haben Sie das Gefühl, dass Sie als deutscher Planer mit der großen Kompetenz im Bereich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit helfen können, Hocheffizienz-Standards im Ausland in einigen Ländern zu etablieren und damit Qualitätssicherung herzustellen (z.B. in China)?

 

Wallisser: Das Selbstverständnis deutscher Planer als technisch kompetente Vermittler zwischen gestalterischem Anspruch und innovativen, zeitgenössischen Lösungen im Bereich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit versetzt uns in die Lage, auf die örtlichen Gegebenheiten zu reagieren und mehr einen Ansatz als bereits bestehende Lösungen anzuwenden. Im Zusammenspiel mit anderen Disziplinen gelingt es uns als Architekten immer wieder, neue Ansätze vorzustellen und eine Akzeptanz dafür zu schaffen. Bis daraus Standards werden ist meistens eine andere Frage, hierfür ist eine Zusammenarbeit mit lokal bedeutenden Institutionen und Auftraggebern wichtig, die die Ansätze weiter verbreiten.

NAX: Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten und weiterhin viel Erfolg bei Ihren spannenden Projekten!