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NAX Report 01/18: Interview WTM Engineers: Erfolgreich Planen in der Schweiz

ERFAHRUNGSBERICHT EINES INTERNATIONAL ERFOLGREICHEN BÜROS: WTM ENGINEERS Nischenbesetzung und lokale Partner sind das A und O

© WTM Engineers

Zuständiger Geschäftsführer Stefan Ehmann und Projektleiter Stephan Köncke

 

NAX: WTM Engineers ist sowohl in Deutschland als auch in Europa und international erfolgreich tätig. Welche Projekte realisieren Sie aktuell in der Schweiz und wie konnten Sie diese akquirieren?

WTM: WTM Engineers realisiert mit über 250 Mitarbeitern an den Standorten Hamburg, Berlin, München und Kopenhagen seit mehr als 80 Jahren erfolgreich Projekte in Deutschland, Europa und in Übersee. Dabei bietet WTM Engineers Beratungs- und Planungsleistungen auf den Gebieten Tragwerksplanung, Wasserbau, Ingenieurbau und Industriebau an.

 

Häufig bearbeiten wir unsere anspruchsvollen Projekte als Generalplaner, wobei die Interdisziplinarität eine wesentliche Bedeutung einnimmt. In diesem Zusammenhang besetzen wir einige Nischen, zu den beispielsweise Siloanlagen gehören. In der Schweiz ist es uns basierend auf sehr erfolgreichen Projektergebnissen in Deutschland gelungen, zwei Lärmschutzhallen für den Triebwerksprobelauf von Verkehrsflugzeugen an den Flughäfen Zürich und Genf in Auftrag nehmen zu dürfen. Wesentlich dabei war unsere langjährige Projekterfahrung auf diesem Gebiet gemeinsam mit unseren deutschen Planungspartnern. Mit diesem speziellen Knowhow konnte sich unser Team zum einen im Wettbewerb zum anderen im öffentlichen Vergabeverfahren durchsetzen.

Beide Projekte umfassten basierend auf Voruntersuchungen bzw. Machbarkeitsstudien alle Planungsphasen und alle Planungsbereiche. Beide Projekte sind bereits abgeschlossen und erfolgreich in den Betrieb gegangen.

 

© WTM Engineers / GAC

Lärmschutzhalle Flughafen Genf

 

NAX: Können Sie uns etwas über die Baurealität in der Schweiz berichten? Wie stellen Sie sich auf die interkulturellen Herausforderungen und die wirtschaftlichen und politischen Unterschiede  sowie Regularien (Verfahren, Ordnungen und Normen) in der Schweiz ein? Was sind die größten Hürden?

WTM: Sowohl am Standort in Zürich als auch in Genf haben wir mit lokalen Planungspartnern zusammengearbeitet. In Zürich haben wir mit unserem Netzwerkpartner suisseplan Ingenieure AG und in Genf mit dem Ingenieurbüro Thomas Jundt Ingénieurs Civils SA jeweils eine Planer-ArGe geschlossen. Diese Unterstützung und Kooperation ist unseres Erachtens für die Erbringungen von Planungsleistungen in der Schweiz unabdingbar, da der Planungsumfang und die Planungstiefe in Teilbereichen insbesondere auf dem Gebiet der technischen Gebäudeausrüstung unterschiedlich zum in Deutschland geschuldeten Planungssoll ist. Neben wirtschaftlichen Aspekten mit Blick insbesondere auf die Bauüberwachung ist eine Kooperation mit lokalen Planungspartnern immer ratsam. Sie erhöht die Akzeptanz beim Auftraggeber und den Behörden. Das komplexe Plangenehmigungsverfahren (vgl. Planfeststellungsverfahren in Deutschland) unter Einbeziehung des BAZL (Bundesamt für Zivilluftfahrt) wäre ohne lokale Erfahrung nicht im erforderlichen Umfang und Zeitrahmen zu durchlaufen gewesen. Der Umgang mit nationalen Vorschriften der Schweiz stellt für ein international tätiges Ingenieurbüro grundsätzlich keine Hürde dar. Insbesondere in der Nordschweiz entfällt die Sprachbarriere, im französischsprachigen Landesteil sind Planungspartner aus der Region sowie französischsprachige Mitarbeiter nahezu unabdingbar.
Grundsätzlich haben wir eine klare Schnittstelle für alle Planungsbeteiligten eingezogen, wie z. B. die zwischen Tief- und Hochbaumaßnahmen, um eine faire und eindeutige Leistungs- und Honoraraufteilung vorzunehmen. Mit Blick auf die Tragwerksplanung bietet es sich an, ein angepasstes Qualitätssicherungssystem einzuführen, da in der Schweiz keine hoheitliche baustatische Prüfung erfolgt. Hier kann beispielsweise ein Vier-Augen-Prinzip mit dem jeweiligen Planungspartner Abhilfe schaffen.

 

© WTM Engineers / GAC

Darstellung Isophone am Flughafen Genf

 

NAX: Gibt es eine bestimmte Erwartungshaltung an Sie als deutsches Architektur- und Ingenieurbüro? Wie begegnen Sie dieser?

WTM: Unsere mehr als fünfjährige Planungsarbeit gemeinsam mit den Schweizer Kollegen hat uns sehr große Freude bereitet. Die anspruchsvollen Projekte haben alle beteiligten Ingenieure und Architekten gefordert und wir haben gemeinsam die Durchführung der komplexen Genehmigungsverfahren gemeistert. Dies entsprach dem Anspruch der Auftraggeber, die aber nicht zwischen Schweizer und deutschem Ingenieurbüro differenzieren.

 

Trotz der großen Anzahl von Beteiligten in der Hochphase der Bearbeitung haben die schnellen und unkomplizierten Entscheidungen unserer kompetenten Auftraggeber die Projektverläufe angenehm verschlankt und beschleunigt. Durch unser spezielles Knowhow auf dem Sondergebiet der Planung von Lärmschutzhallen für Verkehrsflugzeuge mit Integration von akustischen und strömungsmechanischen Untersuchungen war die Erwartungshaltung auf Auftraggeberseite sehr hoch, insbesondere im komplexen Umfeld eines Flughafenbetriebes jedoch selbstverständlich angebracht. Dementsprechend mussten wir uns für Sonderthemen mehrfach einer technischen Kontrolle unterziehen, die schlussendlich aber eine sehr dienliche Qualitätssicherung dargestellt hat.

 

© WTM Engineers / GAC

Lärmschutzhalle Flughafen Genf

 

NAX: Welche Besonderheiten gibt es bei der Zusammenarbeit mit Schweizer Partnern? Was sollte man beachten/wissen, wenn man im Schweizer Markt aktiv werden möchte?

WTM: Grundsätzlich – und vielleicht gilt es auch ganz besonders für die Schweiz – ist die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern sehr empfehlenswert bis unabdingbar. Sicherlich ist zu beachten, dass die Schweiz für uns Deutsche kein günstiges Land für den längeren Verbleib darstellt. Insbesondere Hotel-, Reise- und Verpflegungskosten liegen auf einem deutlich höheren Niveau, als wir es in Deutschland gewohnt sind.

 

Zudem gilt es zu beachten, dass man in der Schweiz für die Erbringung von Dienstleistungen einige administrative Vorarbeiten zu erbringen hat. Dazu gehören die Beantragung einer Steuernummer und der Abschluss einer entsprechenden Schweizer Haftpflichtversicherung. Durch die Unterstützung unserer Schweizer Kollegen und Freunde ist dieses genauso wie die gesamte Projektabwicklung jedoch sehr komfortabel und zu unserer großen Freude erfolgreich gewesen. Wir würden jederzeit gerne wieder in diesem attraktiven und gastfreundlichen Alpenland Projekte bearbeiten.

NAX: Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre Zeit und die Beantwortung unserer Fragen, die unseren Lesern wertvolle Informationen mit auf den Weg geben. Ihnen weiterhin viel Erfolg!

 
 

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