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NAX Report 03/18: Myanmar: Bauen bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit

UM- UND NEUBAU DES GOETHE INSTITUTS IN MYANMAR Bauen bei 95 Prozent Luftfeuchtigkeit

© Oliver Gerhartz

 

Die Arbeitsgemeinschaft OLIVER GERHARTZ Architektur und TSSB architekten.ingenieure wurden 2015 durch das Auswärtige Amt mit der Sanierung der denkmalgeschützten Villa und der Errichtung der Neubauten des Goethe Institutes in Yangon, Myanmar als Generalplaner beauftragt. Bei der Realisierung des Projektes machten ihnen vor allem die klimatischen Bedingungen und schleppende Materiallieferungen zu schaffen.

NAX: Herr Gerhartz, Wie sind Sie an den Auftrag von Goethe Instistut gekommen? Hatten Sie bereits Bau-Erfahrung in Myanmar oder haben Sie schon andere Projekte mit einem Goethe-Institut realisiert?

Gerhartz: Die Arbeitsgemeinschaft OLIVER GERHARTZ Architektur und TSSB architekten.ingenieure wurden im Rahmen eines Vergabeverfahrens durch das Auswärtige Amt in Berlin mit der Sanierung der denkmalgeschützten Villa und der Errichtung der Neubauten des Goethe Institutes in Yangon als Generalplaner beauftragt. Für uns als Planer war es das erste Goethe Institut, allerdings gab es vorher bereits Erfahrung im Auslandsbau: Teile der deutschen Botschaft in Ankara wurden ebenfalls durch die Bürogemeinschaft OG/TSSB saniert.Die historische Villa des Goethe Instituts in Yagon aus den 20er Jahren beherbergt die Klassensäle und einen Teil der Verwaltung. Für die Unterbringung der Bibliothek und des Auditoriums und weiterer Büros wurde ein neues Gebäude errichtet, welches den neuesten Anforderungen entspricht. Ferner wurden eine Cafeteria und ein Hausmeisterwohnhaus mit TGA Flächen errichtet.

 

© Oliver Gerhartz

 

NAX: Wie haben Sie dieses Projekt organisatorisch bzw. logistisch bewältigt? Haben Sie das meiste aus Deutschland koordiniert oder haben Sie Mitarbeiter vor Ort?

Gerhartz: Bis zur Entwurfsplanung wurde, nach einer gründlichen Bestandsaufnahme und der tiefergreifenden Definition der Aufgabe, zu 100 Prozent aus Deutschland gearbeitet. Sämtliche Planer und der Bauherr kommen aus Deutschland. Bei der Genehmigungsplanung wurden aber lokale vorlageberechtigte Architekten involviert. Da bereits sehr früh entschieden wurde, dass die Generalunternehmerleistungen, mit Ausnahme der Dachdeckungen, durch lokale Firmen erbracht werden, wurden die Firmen, die als Unternehmer in Frage kamen, in den Planungsprozess involviert. Ziel war es, Konstruktionen und Materialien so zu wählen, dass sie lokal umsetzbar sind und die Materialimporte so gering wie möglich zu halten.
Die Leistungsverzeichnisse für die Vergaben vor Ort wurden in Berlin in Zusammenarbeit mit einem Consultant aus London erstellt. Nach eingehender Prüfung der lokalen Firmen auf deren Leistungsfähigkeit wurde durch das Auswärte Amt ein beschränktes Vergabeverfahren in Anlehnung an die VOB durchgeführt.
Die Objektüberwachung erfolgte zum größten Teil vor Ort. Die Architekten waren mit zwei, die TGA mit einer Objektüberwachung dauerhaft vor Ort vertreten. Aufgrund der sehr begrenzten lokalen Möglichkeiten und der teils dürftigen Ausbildung der lokalen Ingenieure und Arbeiter, war es keine Seltenheit, dass die Objektüberwachung die Rolle des Fachbauleiters oder gar des Handwerkers übernahm und selbst die Kelle zur Hand nahm.

 

© Oliver Gerhartz

 

NAX: Wie haben Sie das Arbeiten in Myanmar erlebt? Wie unterscheidet es sich vom Planen und Bauen in Deutschland? 

Gerhartz: Bei der Planung muss man sich natürlich an den lokalen Gegebenheiten orientieren. Diese waren im Wesentlichen, wie oben erwähnt, die beschränkten technischen Möglichkeiten (Mangel an Material, Werkzeug, Kenntnis) und die klimatischen Bedingungen. Die Temperaturen liegen in der fünfmonatigen Regenzeit um die 35°C bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von bis zu 95%. 
Die Ingenieure der lokalen Generalunternehmer (Hochbau und TGA), unsere Kontaktpersonen, hatten keine Erfahrung mit ausländischen Planern und Bauherren und zum großen Teil Myanmar noch nie verlassen. So hatten es die Planer mit völlig anderen Rahmenbedingungen zu tun, als man es in Deutschland gewohnt ist. Der Planungs- und Bauprozess war geprägt von gegenseitigem Respekt, von einem in ausnahmslos jeder Situation ruhigen Umgang miteinander und vor allem davon, wie viel man voneinander lernen kann. Aufgrund der Mangelwirtschaft und der häufig beschränkten Möglichkeiten der Unternehmer wurde die lokale Bauweise zum Standard. Dennoch hing die Messlatte bezüglich der Qualitäten bei dem Projekt sehr hoch. So wurden viele Detaillösungen gemeinsam vor Ort und in intensiver Kommunikation mit dem Büro in Berlin erarbeitet. Die beteiligten Firmen waren sehr ehrgeizig und bestrebt den an sie gestellten Anforderungen gerecht zu werden.

 

© Oliver Gerhartz

 
 

NAX: Unterscheidet sich das Arbeiten für einen deutschen Auftraggeber von einem burmesischen?

Gerhartz: Für einen burmesischen Auftraggeber waren wir bislang nicht tätig.Die Arbeit für öffentliche deutsche Auftraggeber im Ausland unterscheidet sich aber natürlich auch von Planungen im deutschsprachigen Raum, da die Anforderungen an die Baustandards sehr hoch liegen. Man muss sich vorstellen, dass die Planungsgrundlage für das Projekt unter anderem die Landesbauordnung von NRW und für Erdbeben der EUROCODE-8 waren. Das heißt, die kritischen Punkte waren zu definieren und die Abweichungen und Kompensationsmaßnahmen mussten vereinbart werden. Die Kollegen des Goethe Institutes und der deutschen Botschaft in Yangon waren eine sehr große Hilfe, gerade, wenn es darum ging sich vor Ort zu organisieren. 

 

© Oliver Gerhartz

 

NAX: Vor welchen weiteren Herausforderungen und Hürden standen Sie bei dem Projekt?

Gerhartz: Das Klima stellte gerade in der Regenzeit eine große Herausforderung dar. Arbeiten konnten aufgrund der teils sehr heftigen Regenfälle nicht wie geplant ausgeführt werden. Die Betontrockenzeiten z. B. waren deutlich länger als bei uns, was bei der Terminierung der Folgegewerke zu beachten war. Die Kommunikation fand in Englisch statt, welches nur von sehr wenigen unserer Ingenieure gesprochen wird. Häufig wurde anhand von Skizzen und Plänen kommuniziert, vor allem dann, wenn die sprachlichen Barrieren zu hoch waren. Materiallieferungen verliefen teilweise schleppend, da der lokale Baustoffmarkt sehr instabil ist. Produkte, die an einem Tag verfügbar waren, waren am folgenden Tag nicht mehr erhältlich. Einige Produkte konnten in den erforderlichen Mengen und Qualitäten nur durch Importe aus Thailand oder anderen Ländern beschafft werden. Die Lieferzeit betrug nicht selten drei bis sechs Monate.
Die größte Herausforderung war aber natürlich der Mangel an Ausbildung, Werkzeugen, technischen Möglichkeiten usw. Dies führte dazu, dass, trotz der Beteiligung lokaler Firmen während der Planung, diese häufig vereinfacht bzw. an die vorhandenen Möglichkeiten angepasst werden musste. Das Projekt wurde dennoch nach anderthalb Jahren Planung und ebenso langer Bauzeit im Kosten- und Zeitrahmen gemäß der Entwurfsplanung abgeschlossen.

NAX: Vielen Dank für diese interessanten Einblicke in den Bauprozess und herzlichen Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss des Projektes!

Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie hier.

 
 

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