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NAX-Report 03/18: Orange Blu: Eine Landmarke für Penang

ERFAHRUNGSBERICHT EINES INTERNATIONAL ERFOLGREICHEN BÜROS: Orange Blu Eine Landmarke für Penang

© B.Braun, Penang, Malaysia

 
 

Auf der malaysischen Insel Penang entwickelt NAX-Pate Orange Blu Masterpläne für zwei Produktionsstandorte des Medizinprodukteherstellers B. Braun Melsungen AG. Auf etwa 150.000m² sind Verwaltung, Produktion und Sozialfunktionen untergebracht, ein achtgeschossiges Bürogebäude ist als Landmarke weithin sichtbar. 2017 wurden die Eingangsbauten zum Campus 1 fertiggestellt. NAX sprach mit Orange Blu-Geschäftsführer Manuel Schupp über das Projekt.

NAX: Herr Schupp, Orange Blu ist für seine Industriebauten bekannt, die häufig auch neue Bauweisen und Planungsmethoden integrieren. In Asien ist der Industriebau gemeinhin sehr konventionell. Wie konnten Sie bei Ihrem Projekt in Penang/Malaysia den Aspekt von Innovationen berücksichtigen?

Schupp: Die konsequente Trennung der Güter- und Personenlogistik stellt die optimale Nutzbarkeit sicher, indem die Wege durch vertikale oder horizontale Anordnung kreuzungsfrei und gefahrlos genutzt werden können. Wir haben hier erstmalig Betonfertigteilstützen im Bereich der Kolonnade in Sichtbetonqualität, außenliegendem Sonnenschutz, und erstmalig Fassaden mit Wärmedämmung und Isolierglasfenstern verwendet. Für Besucher ist es möglich, von ausgewählten Standorten im Gebäude (Besucherbalkon) Einblicke in die Produktion zu erhalten. In Workshops wurden Mitarbeiter aller Abteilungen eingeladen, Planungsanforderungen zu definieren. Die planerische Integration dieser Ergebnisse wurde am Ende der Entwurfsplanung unter Beteiligung der Mitarbeiter vorgestellt. Die Planungsteams bestanden aus malaysischen und deutschen Fachingenieuren. Bis zum Abschluss der Entwurfsplanung konnte der deutsche Bauherr durch diese Doppelbeauftragung sicherstellen, dass seine Erwartungen den lokalen Gegebenheiten angepasst werden.

 

© B.Braun, Penang, Malaysia

 

NAX: Ihre Bauten zeichnen sich häufig dadurch aus, dass Ihre planerischen Antworten keine funktionalen Kisten sind, sondern verschiedene Funktionen im eigenständigen erweiterbaren Baukörpern untergebracht werden. Dies geschieht häufig unter Integration eines hochwertigen Außenraumkonzeptes. War dies auch in Malaysia möglich? 

Schupp: Die Anlage auf Campus 1 besteht aus zwei linearen Flügeln, die einen zentralen Park umschließen, der hohe Aufenthaltsqualität bietet. 100.000 m² Flächen (BGF) entstanden für Produktion, Logistik, soziale Funktionen und Parken. Als Verbindungsglied und Gelenk schwebt eine Kantine über dem Hauptzugang. Hier ist auch der soziale Treffpunkt auf allen Ebenen. Ein achtgeschossiges Bürohochhaus ist als „Landmark“ weithin sichtbar und wird von dem südlich gelegenen Flughafen aus leicht wahrgenommen. Darüber hinaus müssen die Gebäude besondere Produktionsbedingungen erfüllen, beispielsweise als Reinräume mit komplexer Belüftungstechnik, getrennte Erschliessungstreppen je Reinraumklasse, Explosionschutz, Sterilisation, etc..

 

© B.Braun, Penang, Malaysia

 

NAX: In welcher Weise konnten Sie den vielbeschworenen Begriff Nachhaltigkeit in Ihre Planung integrieren?

Schupp: Das tropische Klima sorgt mit hoher Wärme und Feuchtigkeit für erhöhte Anforderungen für Beschattung und Regenschutz. Das große tropische Dach bietet Schutz für die Kolonnade aus Sichtbetonstützen und nimmt Bezug auf den lokalen Bautyp des „five foot walkways“. Er bestimmt das Bild in der historischen Kernstadt von Georgetown und ermöglicht Schutz für die Fußgänger. Das Gebäude hat gezielt eingesetzte Fenster und Fassadenöffnungen, um Menschen, die sich auf der oberhalb gelegenen Straße befinden, Einblicke in die Produktion zu erlauben. Diese Transparenz schafft Vertrauen und zeigt attraktive Arbeitsplätze mit guten Ausblicken. In der gleichen Haltung einer sozialen Nachhaltigkeit wurden Produktionsfunktionen westeuropäischer Standards nicht blind übernommen. Vielmehr wurde auf regionale, kulturelle und religiöse Aspekte reagiert, indem Einzel- statt Sammelumkleiden angeboten werden sowie attraktive Suraus, die muslimischen Gebetsräume.

 

© B.Braun, Penang, Malaysia

 

NAX: Die Baukosten sind in Südostasien bekanntlich meist wesentlich niedriger als in Deutschland. Gab es weitere Aspekte der Ökonomie und Wirtschaftlichkeit bei Ihrem Projekt zu beachten?

Schupp: Ein Grundgedanke bei der Planung der vorgesehenen Neubauten ist die Stapelung von Produktionsebenen. Dabei wird wertvoller Baugrund in der Sonderwirtschaftszone eingespart; der knapp vorhandene Platz wird effizienter genutzt. Der Gebäudebetrieb wird wirtschaftlicher durch den außenliegenden Sonnenschutz, der die solare Erwärmung erheblich reduziert. Im Umfeld des Baugrundstücks herrscht die Verwendung von Aussenputzen vor, welche nach wenigen Jahren üblicherweise veralgt und verpilzt sind. Sämtliche Gebäudeverkleidungen und Fenster sind in der Regel als wartungsfreie Metallfassaden in Alueloxal ausgeführt.Trotz zunächst höherer Herstellungskosten bewirkte diese eine Reduzierung der Kosten des Gebäudebetriebs. EIn Faktor, der für das Familienunternehmen eine wichtige Rolle spielte.

NAX: Vielen Dank, Herr Schupp, für diesen interessanten Einblick in das Projekt!

 
 

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