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NAX in Stuttgart 2016

15.11.2016 NAX-Fortbildungsveranstaltung „Planen und Bauen international: Iran / China“ in Stuttgart

Am 15.11.2016 war das Netzwerk Architekturexport NAX erneut zu Gast in der Architektenkammer Baden-Württemberg in Stuttgart. In diesem Jahr haben wir auf der Fortbildungsveranstaltung in zwei Podien die Länder Iran und China in den Fokus der Erfahrungsberichte und Diskussionen gestellt.

 

 

© NAX

Architektenkammer-Präsident Markus Müller begrüßt die Teilnehmer

 

Präsident Markus Müller begrüßte die knapp 70 exportorientierten und -interessierten Teilnehmer und wies in seiner Ansprache auf die herausragenden Leistungen von Planern aus Baden-Württemberg im europäischen und internationalen Ausland hin. Architekturdienstleistungen und –qualität „Made in Germany“ seien so gefragt wie nie zuvor und stellten in naher Zukunft einen großen Entwicklungsmarkt dar, auch im Iran, und nach wie vor in China.

 

Inga Stein-Barthelmes, Referatsleiterin nationale und internationale Wirtschaftspolitik der Bundesarchitektenkammer e.V., stellte anschließend die Aktivitäten des Netzwerk Architekturexport NAX im Iran (2015 und 2016) und China (Oktober 2016) vor.

In den sich dann anschließenden Impulsvorträgen und Podiumsdiskussionen widmeten sich die Teilnehmer u.a. Fragen wie: Welche wirtschaftspolitische Flankierung gibt es beim Gang ins Ausland? Welche Marktzugangsmöglichkeiten sehen erfahrene Planer und die sie begleitende Wirtschaft? Welche Aktivitäten werden seitens der Architektenkammern bzw. Dritter angeboten, um sich beiden Ländern (Iran/China) zu nähern? Wie gestaltet sich das interkulturelle Arbeiten? Welchen Herausforderungen muss man sich stellen, welche Hindernisse gibt es? Welche Erfahrungen werden beim Planen und Bauen in China bzw. im Iran gemacht?

 

Podium „Made in Germany im Iran – Traum oder mögliche Realität?“

© NAX

Simone Göhring, Länderreferentin Naher Osten und Afrika im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg

 

Einen Überblick über die gesamtwirtschaftliche und politische Lage im Iran gab Simone Göhring, Länderreferentin Naher Osten und Afrika im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, in ihrem Impulsvortrag.
Aktuell seien Impulse in der Bauwirtschaft ab 2016/2017 zu erwarten, die sich hauptsächlich in Investitionen vor allem im Bereich Modernisierung der Verkehrsinfrastruktur (Flughäfen, Häfen, Schienenverkehr) zeigen könnten. Eine schwache Nachfrage gäbe es im Bereich der Wohnimmobilien, die Regierung arbeite jedoch an einer neuen Initiative zum Bau von 125.000 Wohnungen.

 

Deutsches Know-how sei besonders im Bereich von Spezial- und Prestigebauten (Krankenhäuser, Hotels) sowie im Bereich nachhaltige Stadtentwicklung und Energieeffizienz gefragt. Noch gäbe es einige wichtige Schwächen und Risiken, u.a.:

  • anhaltender Reformstau,
  • langsamer Privatisierungsprozess,
  • schwierige staatliche Bürokratie,
  • Korruption,
  •  ein schwaches Bankensystem sowie Währungsschwäche,
  • fehlendes Investitionskapital,
  • Abhängigkeit von der Ölpreisentwicklung,
  • erneutes Inkrafttreten von Sanktionen,
  • politische Instabilität in der Region sowie
  • die staatlich kontrollierte, konservative Gesellschaftsordnung.
 

Es lohne sich jedoch auf jedem Fall, „am Ball zu bleiben“ und die Entwicklungen in den nächsten Monaten zu beobachten, da der Iran für deutsche Unternehmen einen großen Markt darstellen kann.

Die Architektin Farnaz Zia-Azari vom Büro lenz architekten BDA in Stuttgart wies in ihrem Vortrag darauf hin, dass es für die Identität einer neuen, spezifisch iranischen Architektur wichtig sei, Tradition und Moderne zu verbinden. Traditionelle Bauweisen, Elemente, Formen gelte es, mit zeitgenössischer Technik, Materialien und Konzepten zu verbinden.

 

© NAX

Matias Wenzel, Architekturbüro Wenzel + Wenzel

 

Matias Wenzel (Architekturbüro Wenzel + Wenzel), selbst Inhaber einen großen, international arbeitenden Architektbüros, schilderte seine Erwartungen und Erfahrungen im Zusammenhang mit einer Markterkundungsreise in den Iran, die er mit Baden-Württemberg International und einigen Kollegen im Mai unternommen habe. Diese sei als Türöffner ideal gewesen und hätte zu intensivem Austausch mit iranischen Kollegen geführt.

 

Dabei habe er jedoch auch realisiert, dass der Iran durchaus sehr gut ausgebildete Architekten habe, die großartige Projekte umsetzen. Deutsches Know-how sei, wie oben bereits erwähnt, in Prestigebauten und bei den Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz sehr gefragt, deutsch-iranische Kooperationen in diesen Bereichen wären sicher eine spannende Sache. Das diese bis jetzt noch nicht weit gediehen seien, läge sicherlich an den o.g. Schwächen und Risiken.

 

© NAX

Günther Weizenhöfer, Teamleiter Architektenberatung GEZE GmbH

 

Günther Weizenhöfer (Teamleiter Architektenberatung beim NAX-Hauptpartner GEZE GmbH) schilderte in seinem Vortrag, wie ein weltweit agierendes deutsches Unternehmen wie die GEZE GmbH sich den Markt Iran erschließt. Dies gelänge mit einem iranischen Partnerunternehmen sowie durch fehlertolerante Produkte, die dem unterschiedlichen Qualitätsverständnis entsprechen müssen.

 

Die Verbindung von Tradition und Moderne halte auch er für einen Schlüssel erfolgreicher (Bau)Geschäfte im Iran, ein weiterer – unabdingbarer – sei die Akzeptanz kultureller Unterschiede und Erwartungen von iranischer Seite (Stichwort: Gastfreundschaft).

 

© NAX

v.l.n.r.: G. Weizenhöfer (GEZE GmbH), M. Wenzel (Wenzel + Wenzel), F. Zia-Azari (lenz architekten), S. Göhring (BW-Wirtschaftsministerium), I. Stein-Barthelmes (BAK/NAX)

 

In der anschließenden Diskussion mit den vorgenannten Rednern sowie Teilnehmern der Fortbildungsveranstaltung wurde deutlich, dass deutsche Planer, um im Iran deutsche Qualität realisieren zu können, darauf hoffen, dass vor allem Handwerker besser und nachhaltig ausgebildet werden. Dies wäre z.B. durch die deutsche Bauindustrie oder die GIZ-Projekte möglich, aber auch durch eine Kooperation von deutschen und iranischen, jedoch in Deutschland ausgebildeten Architekten. Ein wachsendes Qualitätsverständnis gehe einher mit steigendem Konsum und Wohlstand, der im Iran bereits durchaus existiert. Aktuell können Projekte besser mit privaten Bauherren als mit der öffentlichen Hand gebaut werden.

 

Die Referenten des zweiten Podiums widmeten sich in ihren Impulsvorträgen dem Thema „Deutsche Architekten in China – Was können sie lernen, was können sie beitragen?“.

 

© NAX

Prof. Dita Leyh ISA Internationales Stadtbauatelier

 

Mit Megacities – „Made in Germany“ machte Prof. Dita Leyh (ISA Internationales Stadtbauatelier) den Anfang, und berichtete aus ihrer breiten Erfahrung von den Herausforder-ungen, denen sich (deutsche) Planer beim dem Entwurf / der Realisierung von Megacities in China stellen müssen. Bevölkerungszuwachs, nicht sesshafte Bevölkerung (Wanderarbeiter), Verkehrsüberlastung, soziale Balance, Sicherheit im öffentlichen Raum, Identitätsfrage, Ökologie und Nachhaltig-keit – all dies seien Probleme, die berücksichtigt werden müssen. Qualität sei in China nach wie vor zweitrangig, auch, wenn aufgrund einer wachsenden Mittelschicht sich dies langsam ändere. Diesem Unterschied muss passend begegnet werden (ähnlich Iran). Die chinesische Regierung würde mittler-weile jedoch auch Konzepte verfolgen, die nicht die Fehler europäischer Städtebaugeschichte wiederhole.

 

Eine Mischkonzeption (wieder: Verbindung von Tradition und Moderne) sei bei vielen Projekten möglich; mit Identität und Geschichte als Grundlage könne der städtische Raum von Newtown-Projekten neu interpretiert werden, was im Ansatz heute schon klappt. Wichtig sei, wenn man im Ausland erfolgreich sein will, eine Balance aus europäischen Erfahrungen und den Bedürfnissen des jeweiligen Landes zu finden.

 

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Dr. Beifei Huang SOL Bürogemeinschaft

 

Dr. Beifei Huang (SOL Bürogemeinschaft) bestätigt in ihrem Vortrag die Aussagen von Prof. Leyh. Ihr eigenen Büros fungiert in China als deutsch-chinesisches Partnerbüro und setzt mit deutschen Planern und interdisziplinärer Planungsphilosophie Projekte im Bereich Hochbau, Stadtplanung, Nachhaltigkeit und Landschaftsarchitektur um.
Aus ihrer Sicht ist in China „alles möglich“, es können viele Projekte realisiert werden, die in anderen Ländern nicht realisierbar wären, was einen gewissen Abenteuer-Charakter haben kann…

 

 

© NAX

Johannes Reinsch, KSP Jürgen Engel Architekten International

 

Johannes Reinsch, Geschäftsführer/Partner beim NAX-Paten-büro KSP Jürgen Engel Architekten International und jahrelang Leiter des KSP-Büros in Peking, veranschaulicht anhand von realisierten und noch in Planung befindlichen Projekten, wie sehr das Thema Kultur- und Prestigebauten in China auch mit der Nachfrage deutschen Know-hows verknüpft ist (z.B. National-bibliothek in Peking). Auch Herr Reinsch berichtet von massiven Problemen beim Umsetzen der deutschen Qualitätsvorstellungen am Bau. Ja, Qualitäts- und Nachhaltigkeits-bedürfnisse und –vorstellungen würden langsam zu einem Umdenkprozess führen, sind jedoch noch nicht zu Werten eines neuen Leitbild geworden.

 

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Dr. Alexander Beck, Architekt und CEO der German Planing and Development

 

Dr. Alexander Beck, Architekt und CEO der German Planing and Development, berichtete dann, wie er über private Kontakte und Wettbewerbe an erste Aufträge in China kam. Für ihn stellt die gewaltige Binnenmigration in China die größte Veränderung und Entwicklung chinesischer Städte dar. Außerdem sei es für ihn besonders wichtig, als deutscher Architekt mit Bauerfahrung in China auch den Blick zurück auf Deutschland zu wagen und zu prüfen, wie man mit den dort gemachten Erfahrungen in Deutschland manches anders angehen könne.

 

© NAX

v.l.n.r.: Dr. B. Huang (SOL Bürogemeinschaft), Prof. D. Leyh (ISA Internationales Stadtbauatelier), Dr. A. Beck, I. Stein-Barthelmes (BAK/NAX) und J. Reinsch (KSP Jürgen Engel Architekten Intern.)

 

Die abschließende Podiumsdiskussion zeigte neben der positiven Aspekte des „Abenteuers Bauen in China“ auch Probleme auf, denen ausländische Büros in China gegenstehen. Zum Teil gebe es Kampagnen gegen ausländische Architekturbüros, deren Architektur von der Regierung zum Teil als zu „abgehoben“ charakterisiert werde. Die Entscheidungsgewalt von Parteifunktionären könne ein Projekt willkürlich sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Durch die o.g. wachsende Mittelschicht entstehen neue Ansprüche, und ein gewisser Druck auf die Regierung führt zu deren langsamen Umdenken.

 

Es entwickle sich ein gesundes Selbstbewusstsein, was auch unterstreiche, dass man sich - weder im Iran noch in China - auf dem immer noch guten Ruf des „Made in Germany“ ausruhen dürfe sondern aktiv auf diese Änderungsprozesse eingehen müsse, um als deutsches Architekturbüro im ausländischen Wettbewerb weiter erfolgreich zu bleiben.

In weiteren Einzelvorträgen berichteten Vertreter der NAX-Hauptpartner AGC Interpane Deutschland GmbH und LANXESS Deutschland GmbH von ihren Strategie für den Markteintritt und das laufende Geschäft in China sowie im Iran.

 

Den Rahmen der Veranstaltung bildete, sehr passend, eine Fotoausstellung zu Binnenmigration und Urbanisierung, die seitens Dr. Alexander Beck in der Architektenkammer Baden-Württemberg ausgestellt war.

 

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