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Nax went China II- Workshop Urban Renewal

01.11.2018 NAX-Workshop: "Cautious Urban Renewal – Innovative Urban and Environmental Planning for Megacities in China"

© LI Xin

 

Architekten treffen Städtevertreter beim Workshop "Cautious Urban Renewal"

Am 1.11.2018 trafen die Teilnehmer, die sich bereits beim Pecha Kucha-Abend kennengelernt hatten, in neuer Umgebung - in den Räumen des German Center in Peking - wieder aufeinander. Eingeleitet wurde der Workshop durch Grußworte des Vizepräsidenten der Bundesarchitektenkammer, Prof. Ralf Niebergall, der das kontinuierliche Engagement des Netzwerk Architekturexport NAX in China hervorhob, denn bereits im Jahr 2016 veranstaltete NAX einen Kongress zu nachhaltiger Planung für chinesische Megacities in Peking, auf deren Erkenntnisse und Kontakte die diesjährige Delegationsreise aufbaute.

Die diesjährigen Veranstaltungen in Peking und Shanghai wurden durch die Fördermittel der Exportinitiative Umwelttechnologien des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) unterstützt und durch Dr. Ulrich Hatzfeld, Unterabteilungsleiter im BMU, auch personell begleitet. In dessen einleitenden Worten unterstrich Dr. Hatzfeld das Ziel der Exportinitiative, die Wohnstandards für Menschen nicht nur in Deutschland sondern weltweit zu verbessern. Dazu sei vor allem der Wissensaustausch zwischen Experten aus verschiedenen Ländern notwendig - wie es beispielsweise die vielfältigen Veranstaltungsformate während der NAX-Reise nach China ermöglichen. 

Ziel des ganztägigen Workshops mit knapp 60 Teilnehmern war ein projektbezogener Austausch zwischen den mitgereisten deutschen Architekten und den Vertretern der drei chinesischen Städte Tianjin, Shijiazhuang und Xiangyang. Dazu stellten die kommunalen Repräsentanten zunächst die aktuelle Situation urbaner Regenerationsprojekte in den jeweiligen Städten vor und erklärten, vor welchen Herausforderungen sie dabei stehen und wo sie sich Unterstützung deutscher Planer wünschten bzw. vorstellen könnten. Proaktiv und kreativ wurde im Anschluss an die Vorträge an Thementischen über Lösungsmöglichkeiten für das jeweilige Projekte diskutiert und gearbeitet.

 

© NAX

Diskussionen in der Gruppenarbeit über die stadtplanerischen Strategien für Daqiu Village, Tianjin

 

DAQIU VILLAGE (TIANJIN): Von "Chinas reichster Stadt" zur Industriebrache

Der Bezirk Daqiu außerhalb von Tianjin ist mit seinen 110.000 Einwohnern und einer Ausdehnung von 124 km² in Größe und Struktur mit kleineren deutschen Industriestädten vergleichbar. Die Stadt entwickelte sich in den 80er und frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts von einer armen Landwirtschaftsregion durch stringente Industrialisierung zur reichsten Stadt Chinas. Doch unter dem rasanten Wachstum leidet bis heute die städtebauliche Qualität in den Wohn- und Arbeitsquartieren. Die lokale Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Stadt in eine emissionsarme, lebenswerte Eco-City zu transformieren und dafür vor allem brachliegende Industrieareale zu revitalisieren. In der vertiefenden Gruppendiksussion erörterten die mitgereisten Architekten und deutschen Städtevertreter mit den chinesischen Repräsentanten wie Daqiu seiner 600-jährigen Geschichte und dem vielfältigen gesellschaftlichen Wandel der letzten 40 Jahre städtebaulichen Ausdruck verleihen kann, um lebenswert zu bleiben bzw. zu werden.

 

© NAX

In der vertieften Diskussion mit den Vertretern des Yuhua Bezirks ging es v.a. um die Stärkung des Forschungs- und Innovationsstandortes.

 

YUHUA DISTRICT (SHIJIAZHUANG): Im Kampf um Talente mit Peking und Shanghai

Der Bezirk Yuhua in der drei Autostunden von Peking entfernt liegenden Stadt Shjiazhuang steht unterdessen vor ganz anderen Herausforderungen: Yuhua existiert erst seit 2001 und ist aufgrund der dort ansässigen Industrie starker Luft- und Umweltverschmutzungen ausgesetzt. Die lokalen Behörden wollen daher vor allem den Dienstleistungssektor fördern, die Ansiedlung neuer Technologieunternehmen anregen und energiesparende und umweltfreundliche Gewerbe anziehen. In der Gruppendiskussion tauschten die deutschen Architekten und Researcher Ideen mit den Vertretern des Yuhua Districts u.a. aus, wie die Stadt im Wettbewerb um junge Talente mit Shanghai und Peking städtebauliche Anreize bieten kann. Diskutiert wurde dabei auch, wie die Forschungs- und Innovationsfähigkeit des Standortes urban verbessert werden und wie Yuhua sein Image von "grey to green" transformieren kann. 

 

© NAX

Konzentriertes Brainstorming über die Nutzungsmöglichkeiten der Xiangyang Old Town

 

XIANGYANG OLD TOWN: Stadtkern ohne Charme

Eine wiederum andere Situation schilderten die Vertreter der Stadt Xiangyang: Der Stadtkern der Xiangyang Old Town blickt auf eine 3.000 Jahre alte Historie zurück, bietet heutzutage aber wenig anziehendes Altsstadtflair. Das Areal umfasst 120.000 Einwohner mit einer Bevölkerungsdichte von 54.000 Einwohner pro Quadratkilometer. Knapp die Hälfte aller Gebäude der Old Town stehen unter Wohnnutzung, die restlichen Gebäude bilden das kommerzielle Zentrum von Xiangyang. Ziel der Stadtverwaltung ist es, das kulturelle und architektonische Erbe der Old Town zu bewahren, den Bezirk aber gleichzeitig urban lebenswerter zu gestalten. Dazu gehört auch das Anlegen öffentlicher Grünflächen, die bisher im Stadtbild fehlen und die Umnutzung eines Flussufer-Areals zu einem Mixed Use-Quartier. In der Gruppendiskussion erläuterten die Experten gemeinsam mit den Xiangyang Städtevertretern, wie das Kulturgut der Stadt architektonisch und städtebaulich genutzt und zum Aushängeschild der Region werden kann. Gleichzeitig war man sich schnell einig, dass für das Redevelopment des Flussufers weitere Bedarfsanalysen unter den Bewohnern notwendig sind.

 

© LI Xin

WANG Keyao

 

Frischer Input von deutschen und chinesischen Experten

Die Arbeit an den städtischen Fallstudien wechselte sich im Workshopverlauf mehrmals mit Inputs deutscher und chinesischer Architekten ab, die neue Anreize für die Diskussionen in den Kleingruppen lieferten. Den Auftakt der "Experten-Inputs" machten Dr. KONG Ping, Mitglied des Internationalen Rats für Denkmalpflege (ICOMOS) und LI Ran, Managing Director des deutsch-chinesischen NAX-Architekturbüros Rhinescheme. Beide Rednerinnen sprachen über Möglichkeiten und Strategien, im Zuge von städtebaulichen Neuentwicklungen das soziale Gefüge von Nachbarschaften zu erhalten bzw. wiederzubeleben. Am Nachmittag widmeten sich dann Prof. Dr.-Ing. ZHANG Yajin vom Internationalen Stadtbauatelier ISA und WANG Keyao, Zhijian Workshop, in ihren Impuls-Vorträgen der Frage, wie ein Quartier erneuert werden kann, ohne dass sein kulturelles Erbe zerstört wird.

 

FAZIT: Nachhaltige Stadterneurung in Chinas Großstädten nötig und möglich

Die detaillierten Diskussionen zwischen deutschen und chinesischen Städtevertretern, Architekten, Wissenschaftlern und Stadtmachern während des Workshops zeigten, dass es einen großen Bedarf an Redevelopment von industriellen Brachen und singulär genutzten Stadtquartieren in chinesischen Großstädten gibt. Dank strenger Anforderungen der chinesischen Regierung und dem Wunsch vieler Städte nach einem "grünen" Imagewandel besteht in den kommunalen Verwaltungen mittlerweile auch das Bewusstsein, dass eine städtebauliche Erneuerung sozialen und ökologischen Nachhaltigkeitskriterien folgen muss.

Der NAX-Workshop bot deutschen und chinesischen Baubeteiligten die Möglichkeit, Erfahrungen bei der Planung und Umsetzung von Regenerationsprojekten auszutauschen und unterstrich die Expertise deutscher Architekten und Ingenieure beim ernergieeffizienten und ressourcenschonenden Bauen. Den mitgereisten Architekturbüros bot sich zudem die Chance, Kontakte zu potenziellen Auftraggebern und Koooperationspartnern zu knüpfen und ihr Leistungsspektrum einem diversen Publikum zu präsentieren. Bei den Vetretern der chinesischen Städte stießen die Experteneinschätzungen der Architekten gleichermaßen auf großes Interesse. Von allen Beteiligten wurde eine Vertiefung des Formates, z.B. durch Besichtigungen der Projektgebiete und Weiterarbeit in kleineren Gruppen gewünscht. NAX und seine Partner führen dazu bereits Gespräche, wie zukünftige Kooperationsmöglichkeiten aussehen könnten.

Moderiert wurde der Workshop von Magali Menant von unserem Partner Constellations International. Wir danken ihr sowie nochmals allen Beteiligten für ihr Engagement, das den Rahmen für einen produktiven und interessanten Workshop-Tag bildete.

 
 

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