Als NAX-Pate aktiv in Frankreich I

NAX: Wie haben Sie die Aufträge erhalten?

M. Auer: Alle durch Wettbewerbe. Es gibt viele EU-weite Ausschreibungen, aber in der Regel relativ wenige ausländische Teilnehmer. Die Ausschreibungen sind sehr umfangreich und projektnah. Das heißt, viele Details müssen schon geklärt sein, wie zum Beispiel der Brandschutz. Der Aufwand ist also relativ hoch, zwei bis drei Monate Bearbeitungszeit muss man einkalkulieren. Eine Besonderheit in Frankreich ist, dass die Planungsleistung für den Wettbewerbsentwurf in der Regel adäquat vergütet wird.

Unser erster Gewinn nach vielen zweiten Plätzen war Courchevel. Wenn man den Wettbewerb gewonnen hat, ist es relativ sicher, dass auch der Auftrag folgt. Insgesamt kann man sagen, dass es härter ist, in den Kreis der Wettbewerbsteilnehmer hereinzukommen, aber danach leichter.
Wir haben die Bewerbungen von Deutschland aus durchgeführt, ohne eigenes Büro in Frankreich. Im Team sind aber mittlerweile etliche deutsche Mitarbeiter mit sehr guten Französischkenntnissen und auch drei französische Architekten, da die Sprachkompetenz für die Präsentation und die Abstimmung sehr wichtig ist. Die Baubegleitung übernimmt dann ein Partnerbüro in Frankreich, Auer Weber behält die künstlerische Oberleitung.

 
Sport- und Wellnessbad in Courchevel

© Auer Weber

Sport- und Wellnessbad in Courchevel

 

NAX: Welche Besonderheiten gibt es bei der Zusammenarbeit mit französischen Partnern?

M. Auer: Zunächst muss der Partner in der Lage sein, die praktischen Aufgaben zu übernehmen. Er muss das Projekt mittragen, in die Ausführungsplanung integriert werden und dann die Objekt- und Qualitätsüberwachung auf der Baustelle leisten können. Die Teilnahme an Wettbewerben erfolgt als Team, auch diverse Experten müssen dabei benannt werden wie zum Beispiel für Haustechnik, Tragwerk, Akustik und so weiter. Wir sind seit 2005 in Frankreich aktiv und haben in dieser Zeit gute und weniger gute Erfahrungen gemacht. Mittlerweile verfügen wir über ein gutes Netzwerk.
Auch der Partner sollte übrigens lokal gut vernetzt sein, ein gewisses Standing in seiner Region haben. Fehlt dies, hat er unter Umständen keinen Zugang zu relevanten Informationen, zur Diskussion von Vorhaben und zu den Erwartungen an das Projekt.
 

 
Azur Arena in Antibes

© Auer Weber

Azur Arena in Antibes

 

NAX: Gibt es wichtige Verfahrensunterschiede im Vergleich zu Deutschland?

M. Auer: Eine Besonderheit im Planungsablauf ist, dass die Bauunternehmen selbst noch einmal alles durchplanen und in der Regel auch alle Ausführungszeichnungen nochmals anfertigen. Problematisch ist dabei, dass hier meist die Kosten das wichtigste Argument sind und nicht die Qualität. Das muss man im Zaum halten, was bisweilen ein schwieriger Kampf sein kann.
 

NAX: Warum wählt ein französischer Bauherr einen deutschen Architekten?

M. Auer: Das große Plus des Planers aus Deutschland ist seine Ausbildung als Ingenieur und nicht in erster Linie als Künstler, wie es in Frankreich der Fall ist. Dort sind die Berufe des Architekten und des Bauingenieurs viel stärker getrennt.

Deutsche Architekten arbeiten stärker interdisziplinär, in enger Kooperation mit Technikern und Ingenieuren, wodurch mehr technisches Know-how eingesetzt und eine hohe Detailqualität erreicht wird.

In französischen Entwürfen spielt das Bild, die Fassade und formale Erscheinung eine größere Rolle. Der deutsche Anspruch ist dagegen höher an den Bezug zum Ort, die Funktionalität, den Innenausbau, die Materialien und die Qualität der Ausführung sowie die Dauerhaftigkeit.

Schließlich haben deutsche Planer beim Thema Nachhaltigkeit einen Vorsprung, da bestimmte Standards in Frankreich noch etwas hinterher hinken. Architekten und Ingenieure aus Deutschland werden entsprechend positiv gesehen.

Auszug aus der Broschüre „Markt für Architekturdienstleistungen – Frankreich“ (Germany Trade & Invest und Netzwerk Architekturexport NAX, Juni 2015). Das Interview führte Dr. Marcus Knupp, GTAI Paris.