Als NAX-Pate aktiv in den Russland

Die Architektur wird in Düsseldorf entworfen, die Fassadenplanung entsteht in Berlin, die Landschaftsplanung in Bonn, Beleuchtung in Berlin, Geotechnik in Darmstadt, Statik und Haustechnik in Moskau.

Die Aufträge haben wir teilweise über persönliche Kontakte aus Moskau erhalten, da wir bereits seit über 20 Jahren in Russland tätig sind. Es konnten aber auch schon Aufträge über unsere Teilnahme am durch NAX organisierten German Pavilion auf der MIPIM akquiriert werden.

 

© Eller+Eller Architekten

Eller + Eller Architekten, Residential Campus, Tjumen

 

NAX: Wie werden Sie als Vertreter eines deutschen Architekturbüros in Russland wahrgenommen? Gibt es dadurch eine bestimmte Erwartungshaltung an Sie?

YK: Die russischen Bauherren erwarten ein westlich orientiertes Produkt, mit höherem technologischem Know-how als es auf dem russischen Markt gängig ist. Die Erwartungen sind oft sehr unterschiedlich: Es gibt Bauherren, die hohen Wert auf moderne Architekturkonzepte legen und auch bereit sind dafür zu zahlen. Bei anderen steht die Wirtschaftlichkeit mehr im Vordergrund.

Häufig laden wir unsere potentiellen Auftraggeber zu uns nach Düsseldorf oder Berlin ein, erläutern ihnen unsere Arbeitsweise und zeigen laufende Baustellen.

Ein wichtiger Teil des Erfolgs unserer Projekte ist die enge Zusammenarbeit mit den Bauherren. Wir beraten und betreuen den Auftraggeber bis zur Fertigstellung des Gebäudes. Das ist viel Überzeugungsarbeit, denn die Qualität sieht man häufig erst, wenn das Gebäude tatsächlich gebaut wird.

 

NAX: Können Sie uns etwas über die Baurealität in Russland sagen? Wie unterscheiden sich die Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr / Behörde dort, wie die Planungs- und Prozessabläufe (Erfahrungsbericht)? Wie stellen Sie sich auf die interkulturellen Herausforderungen ein?

YK: Seit wir unser Büro in Moskau haben – seit 1993 – haben Eller + Eller Architekten viele russische Projekte realisiert. Zunächst waren dies Projekte in Moskau für deutsche Auftraggeber wie Daimler, Metro, Henkel, Siemens etc. Seit einigen Jahren arbeiten wir auch aktiv in den Regionen: Wolgograd, Jekaterinburg, Tjumen, Ufa.
Während lange Zeit der Fokus nur auf Moskau lag, wird in der letzten Zeit auch anderen Regionen Wert auf hohe Bauqualität gelegt. Unser Projekt in Tjumen/Sibirien mit ca. 30.000 m² BGF ist der beste Beweis dafür. Zu Anfang wurden wir nur für das Konzept beauftragt. Der Bauherr wollte ein Wohnungsbauprojekt im Premium Bereich entwickeln. Nach Fertigstellung des Konzeptes war er von unserer Zusammenarbeit so überzeugt, dass er uns auch für die Entwurfs- und Ausführungsplanung beauftragte. Und besonders großen Wert legte er darauf, dass wir das Projekt als Generalplaner übernehmen, um einen hohen Standard in allen Bereichen zu gewährleisten. Wir bearbeiten und leiten das Projekt als Generalplaner über alle Leistungsphasen einschließlich der Antrags- und Genehmigungsverfahren. Das Projekt befindet sich derzeit in der Bauausführung und wird Mitte 2018 fertig gestellt (alle Bauabschnitte).

 

NAX: Sehen Sie in Russland Potential und Chancen für weitere Projekte, die deutsche Planer umsetzen könnten? Was raten Sie jungen Kolleginnen und Kollegen, die sich im Ausland / in Russland etablieren möchten?
 

YK: Obwohl die wirtschaftliche Entwicklung Russlands in den letzten 25 Jahren großen Schwankungen unterlag, ist auf dem russischen Baumarkt ein kontinuierliches Interesse an der Zusammenarbeit mit deutschen und westeuropäischen Planern zu beobachten. Das zeigt auch deutlich die ständige Anwesenheit der russischen Developer auf internationalen Messen wie MIPIM und EXPO Real.

Für eine erfolgreiche Arbeit auf dem internationalen und russischen Markt, sind eine innovative Denkweise und die Bereitschaft zu nicht standardisierten planerischen Lösungen unerlässlich. Außerdem muss man bereit sein viel und oft zu reisen.


NAX: Vielen herzlichen Dank, lieber Herr Kats. Ihnen und dem Büro Eller + Eller Architekten weiterhin spannende Projekte und viel Erfolg!