Als NAX-Pate aktiv in Saudi-Arabien II

Saudi-Arabien ist ein Land im Wandel, althergebrachte Regeln werden, insbesondere von der jüngeren Generation, in Frage gestellt. Wir beobachten eine vorsichtige Modernisierung, die sämtliche Bereiche des täglichen Lebens beeinflusst und von der Regierung ausdrücklich gewünscht ist. In diesem Umfeld als Architekt tätig zu sein ist sehr spannend. Wir hoffen, dass wir mit unserer Arbeit und unserer Präsenz vor Ort zu diesem Modernisierungsprozess beitragen können.

 

NAX: Wie kamen und kommen Sie an Ihre Aufträge?
TCL:
Wir sind seit 1999 in Saudi-Arabien tätig und haben mittlerweile ein umfangreiches Portfolio von Projekten in der Region. Aufträge wurden anfänglich meist durch erfolgreiche internationale Wettbewerbe gewonnen. Mittlerweile werden wir zunehmend auch durch Direktanfragen mit Projekten beauftragt. Unsere saudischen Bauherren schätzen unsere kulturelle Kompetenz, unsere Zuverlässigkeit, die Qualität unserer Arbeit sowie unsere ständige Erreichbarkeit und Präsenz vor Ort. Ein häufig gehörtes Argument gegen die Beauftragung internationaler Büros ist unzureichende Kommunikation und eine fehlende Unterstützung nach Fertigstellung des Projekts. Diesem Argument treten wir mit einer permanenten Präsenz vor Ort sowie einer Unterstützung auch lange nach Projektfertigstellung entgegen. So beraten wir die King Fahad Nationalbibliothek bis heute in allen architektonischen Fragen.

 
Metro Station, Riyadh

© Gerber Architekten

Metro Station, Riyadh

 

NAX: Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr und Behörde in Saudi-Arabien? Welche interkulturellen Kompetenzen müssen mitgebracht werden, um erfolgreich zu agieren?
TCL:
Offenheit und Respekt einer grundsätzlich anderen Lebensphilosophie gegenüber und ein gutes Maß an Geduld sind sicher wesentliche Voraussetzungen für den Umgang mit den saudischen Partnern. Ist erst einmal eine Vertrauensbasis geschaffen, entwickeln sich nicht selten sehr gute und auch enge Beziehungen die deutlich über das rein geschäftliche hinausgehen. Unsere Erfahrungen hierbei sind sehr positiv und durch gegenseitige Akzeptanz und Freundschaft geprägt.

NAX: Zum Thema BIM (Building Information Modeling) haben Sie sich bereits in unserem NAX-Report 4/2014 geäußert – welche Rolle spielt BIM bei Ihren Projekten in Saudi-Arabien?
TCL:
Neben der modernen Architektursprache sind Bauherren, Planungsbehörden und Generalunternehmer in zunehmendem Maß an der Einbindung modernster Planungs- und Konstruktionsprozess in die Projekte interessiert. Besonders bei öffentlichen Großprojekten wird daher die Projektierung mit der BIM-Methode häufig als Grundanforderung in allen Planungsphasen gefordert. Die saudischen Auftraggeber sind sich der Vorteile, die diese Arbeitsweise anbietet bewusst, das Wissen für die Umsetzung wird jedoch fast ausschließlich durch die westlichen Auftragnehmer bereitgestellt. Aufgrund der vielfältigen Vorteile im Planungsprozess bearbeiten wir mittlerweile die Mehrzahl unserer Projekten als BIM Projekte, auch wenn diese Arbeitsmethode nicht ausdrücklich vom Bauherren gefordert ist.

NAX: Vielen Dank, Herr Lücking, und weiterhin viel Erfolg in Saudi-Arabien.

Zum Weiterlesen: „Verkehrsrevolution in Riad“, Artikel aus dem Berliner Tagesspiegel vom 20.9.2015