Logo Twitter
 
Logo LinkedIN
 

NAX Report 04/14: RRP International

ERFAHRUNGSBERICHT EINES INTERNATIONAL ERFOLGREICH TÄTIGEN BÜROS RRP International, Bericht Dipl.-Ing. Henning Lensch, CEO in Singapur

© RRP International

Dipl.-Ing. Henning Lensch, CEO in Singapur

 

Als international tätiges Architekturbüro mit Ursprung in Deutschland und Sitz in Singapur sind wir in jeder Hinsicht den Anforderungen des hiesigen Marktes unterlegen. Insbesondere im Bereich des Dokumenten Managements und der geforderten Formate sehen wir große Unterschiede im Vergleich zu Deutschland. Das Thema BIM ist eine der Herausforderungen, um einerseits die gesteigerten Erwartungen der öffentlichen und privaten Auftraggeber zu decken und andererseits den wirtschaftlichen Betrieb des Architekturbüros zu gewährleisten.

Die gewachsenen Anforderungen an BIM sehen wir kritisch, auch im Hinblick auf die Koordinierung mit Fachingenieuren und anderen Partnern. Wir müssen uns jedoch den Anforderungen stellen und haben aus der Not eine Tugend gemacht. So plant Singapur bald dem US Amerikanischen Standard zu folgen, die Abgabe aller Planunterlagen in BIM zu fordern. Größere private Auftraggeber sind im asiatischen Raum derzeit noch nicht einheitlich aufgestellt. Viele größere Firmen, die auch Bau- und Planungsabteilungen unterhalten, stehen selber vor der Herausforderung, die notwendigen Standards zu implementieren. Auf der Seite der Fachingenieure sehen wir zwar den Trend der weiteren Implementierung von BIM-Software und Zeichnungsstandards, die tatsächliche aktuelle Praxis orientiert sich auch hier jedoch mehr an der gängigen Praxis der letzten Jahre. Ein 100% durchgängiges BIM Projekt haben wir - und viele bekannte Architekturbüros - noch nicht durchgeführt.

 

© RRP International

 

Was machen wir wirklich mit BIM, wo liegt der tatsächliche Gewinn?

Als vornehmlich im Gesundheitswesen tätiges Architekturbüro haben wir tatsächlich einen Mehrwert aus der Einführung bei BIM in unseren Projekten ziehen können: wir geben alle unsere Projekte seit 2013 vollständig als 3D-Modell ein. Eine solche Vorgehensweise hat uns anfangs vor das Problem gestellt, dass Schulungen für unsere schon länger angestellten MitarbeiterInnen notwendig wurden, bei Neueinstellungen haben wir explizit diese Voraussetzungen gefordert. Der Übergang dauerte sicherlich länger als ein Jahr mit dem Ergebnis, dass wir nun auch in der Präsentation der Entwurfsschritte mit vollständigen 3D-Modellen sowohl mit Tragwerksplanern als auch mit Fachingenieuren für Gebäudetechnik von Anfang an besser kommunizieren und koordinieren können. Unsere Modelle sind klar definiert und lassen kaum Fragen oder Unklarheiten zu.

Der Nachteil ist, dass man im Vergleich zu früheren Arbeitsweisen im frühen Stadium mehr Inhalte definieren muss. Hier sehen wir zwar auch den Vorteil, der sich ergibt durch den zeichnerischen Zwang zur genaueren Definierung, der bei uns zu einer gewissen Standardisierung beigetragen hat, was bessere Abläufe in unserem Qualitätsmanagement (QM) ergeben hat.

Als Beispiel möchte ich hier die notwendigen Deckenhöhen und freie Querschnitte mit abgehängten Decken anführen, oder auch die optimalen Arbeitsräume in Operationsräumen und Intensivpflege-einheiten. Wenn wir jetzt z.B. einen neuen Operationsaal planen, so sind unsere Module als 3D-Elemente so vorbereitet, dass unser QM in einem frühen Planungsstadium alle relevanten Forderungen prüfen und ggf. korrigieren kann. Eine solch frühe Qualitätssicherung war beim klassischen Planungsablauf ohne BIM nicht möglich.

 

© RRP International

 

Als Architekt müssen wir ständig Nutzer und Auftraggeber integrieren. Seitdem wir nun alle Projekte als 3D-Modelle von Anfang an entwickeln, sind diese Abstimmungen sehr viel einfacher und erfolgreicher geworden. Wo früher über Einzel-Sketchup-Modelle sehr zeitintensiv Einzelbereiche betrachtet wurden, produzieren wir heute innerhalb von Stunden Visualisierungen, die dem Nutzer und Auftraggeber unsere Planung viel näher bringen und zu unserer Freude auch die Optimierung der Planung bereichern. Heute kann die Pflegeleitung eines Krankenhauses schon im Vorentwurf durch die neue Intensivpflegestation gehen und die funktionellen Raumanforderungen besser verstehen. Auch die medizinische Geräteausstattung ist in unseren BIM-Modelle enthalten und bringt daher eine sehr viel bessere Integration in einem frühen Planungsstadium hervor.

Realistisch nutzen wir maximal 20% des BIM Konzeptes. Eine tatsächliche komplette BIM-Nutzung sehen wir zum aktuellen Zeitpunkt jedoch eher unrealistisch, da der Aufwand nur sehr schwer zu bewerkstelligen ist. Die Einstellung eines BIM-Experten wäre nötig, um eine Integrierung aller beteiligten Bauherren, Planer, Firmen und Behörden zu ermöglichen. Ist dies realisierbar, wenn bei einem neuen mittelgroßen Krankenhaus über ca. 250 Beteiligte Pläne austauschen, Werkstattzeichnungen erstellen und, z.B., Schreinerarbeiten projektieren möchten? In Asien scheint dies aufgrund der großen internationalen Baufirmen (z.B. Hyundai) als eher möglich zu sein als im sehr mittelständischen deutschen Markt.

Fazit: Wir sehen die Nutzung von BIM beim internationalen Planen und Bauen als großen, aber noch auszubauenden Vorteil bei unserer Kernkompetenz als Architekten. Nach einer Investitionsphase gibt es u.a. auch wirtschaftliche Vorteile und bessere Werkzeuge für unser Qualitätsmanagement. Wir nutzen momentan nur Randbereiche von BIM, die sich jedoch für uns gelohnt haben. In Asien sehen wir aufgrund der oft großen Baupartner und sehr professionell aufgestellten Generalunternehmer realistische Chancen, dass BIM einige der versprochenen Vorteile auch langfristig erfüllen wird.

 
 

Unsere Webseiten verwenden Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Dafür setzen wir Matomo ein. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies und die Möglichkeit diese abzulehnen, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.