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NAX Report 1/17: Gerber und Krekeler Generalplaner berichten über ihre Erfahrungen mit BIM

Die NAX-Paten Gerber Architekten und Dr. Krekeler Generalplaner berichten über ihre Erfahrungen mit BIM

Die Digitalisierung prägt in vielen Lebensbereichen schon heute unseren Alltag und auch vor der Architektur macht sie nicht halt. Das Building Information Modeling – kurz BIM – ermöglicht nicht nur das Erstellen eines präziseren 3D-Gebäudemodells, es verwaltet im Optimalfall auch nahezu alle Projektinformationen digital an zentraler Stelle. Erfolgreiches BIM-basiertes Arbeiten erfordert von Architekten und Fachplanern eine nicht zu unterschätzende Umstellung von Planungsprozessen und verändert die Zusammenarbeit mit Ingenieuren, Bauherrn und anderen Partnern. Wir haben die beiden NAX-Patenbüros Gerber Architekten und Dr. Krekeler Architekten und Generalplaner nach ihren Erfahrungen mit der neuen Planungsmethode gefragt.

 

INTERVIEW MIT STEFFEN SCHÜNECKE VON GERBER ARCHITEKTEN

© Gerber Architekten

Steffen Schünecke ist seit 2014 BIM-Experte bei Gerber Architekten

 
NAX: Herr Schünecke, Sie wurden 2014 zum BIM-Experten bei Gerber Architekten ernannt und haben seitdem einige BIM-Projekte begleitet. Wenn Sie auf die Einführung der Methode und Ihre ersten Projekte damit zurückblicken, was lief damals gut? Was würden Sie mit dem Wissen von heute anders machen?
 
Schünecke: Seit über fünf Jahrzehnten planen und realisieren Gerber Architekten zahlreiche Großprojekte im In- und Ausland. Den Startschuss für die Arbeitsweise mit BIM gab die Beauftragung nach einem großen internationalen Wettbewerbsgewinn unseres Berliner Teams im Jahre 2012. Mit der Beauftragung ergab sich die Forderung nach einer Integration unseres Entwurfes in eine projektweite, durch den Auftraggeber vordefinierte Closed-BIM-Umgebung, mit festgelegten Software- und Projektstandards.
Der erste Schritt beinhaltete die vollständige Übersetzung des dreidimensionalen Entwurfs in native Modellelemente innerhalb der definierten BIM-Umgebung unter Nutzung von Revit als primäre Modellierungssoftware. Mit diesem Prozess wurden parametrisch generierte 3D-Objekte zu ,informierten‘ BIM-Gebäudeelementen umgewandelt. BIM-Modellierungsprogramme sind Werkzeuge zur Erstellung von Datenmodellen. Die dreidimensionale Grafik ist nur eine von vielen Ausgabeformaten des Modells. Die Programme sind für die strukturierte Anreicherung von Daten optimiert und ihre Schwachstelle aus Sicht der Architekten, sind oft die begrenzten Möglichkeiten in der freien dreidimensionalen Modellierung.
Für uns ergab sich daher mit der anfänglichen Implementierung unseres Entwurfes in die ‘informative’ BIM-Umgebung auch die Herausforderungen, die für uns gewohnte Freiheit im Entwurf unter Nutzung spezieller parametrischer Modellierungstechniken auch zukünftigen beibehalten zu können. Durch die gezielte Kombination multipler Übersetzungsprogramme und dem dafür entwickelten Arbeitsablauf gelang es uns, diese parametrischen Entwurfswerkzeuge permanent in die neue Planungsumgebung einzubinden.
In den vergangenen Jahren konnten wir dieses Vorgehen für uns weiter optimieren und durch die Einbindung zusätzlicher Anwendungen ausbauen. Damit bewahren wir uns eine hohe Flexibilität in der Wahl unserer Werkzeuge und deren maßgeschneiderte Anwendung bei der Lösung spezifischer Entwurfsaufgaben.
 
NAX: BIM setzt sich auf dem internationalen Markt bereits seit einiger Zeit durch. In welchem Umfang erhalten Sie heute Aufträge mit BIM-Anforderungen?
 
Schünecke: BIM gehört bei uns zur täglichen Arbeit. Wir bringen es bei einer Vielzahl von Projekten zum Einsatz, da es uns die Möglichkeit bietet, unsere Entwürfe effizient zu analysieren, weiterzuentwickeln und fortlaufend zu optimieren.
Anforderungen sowie Erwartungen und Vorkenntnisse von Auftraggebern im Hinblick auf BIM können auch im internationalen Bereich unterschiedlich sein. So gibt es einerseits sehr informierte Bauherren, die bereits mit einem umfangreichen Paket an BIM-Anforderungen und einem erfahrenen BIM-Team auf ihrer Seite auftreten. Andererseits haben wir aber auch Bauherren die zwar gegenüber der Implementierung des BIM-Prozesses durchaus aufgeschlossen sind, aber keine speziellen BIM-Anforderungen für das entsprechende Projekt definieren und kaum BIM-Voraussetzungen mitbringen.
Durch unsere bisher erlangte Expertise können wir bei Bedarf bei der Erarbeitung der BIM-Strategie beraten und die dazugehörigen, notwendigen Prozesse und Standards für das Projekt aufsetzen. Die BIM-Anforderungen sollten immer spezifisch zum Projekt erstellt werden, um die Projektziele und den BIM-Plan genau aufeinander abzustimmen. Dabei müssen die Fähigkeiten der verschiedenen Projektteilnehmer bedacht werden, um den BIM-Prozess entsprechend realistisch anzulegen. Ein anspruchsvoller BIM-Plan ist nur soweit von Nutzen, wie er auch von den Teilnehmern hinreichend umgesetzt werden kann.
 

© Gerber Architekten

Der Transfer-Bahnhof in Riad ist eines der aktuellen BIM-Projekte von Gerber Architekten

 
 
NAX: Mit der Olaya Metrostation in Riad, Saudi-Arabien, planen Sie zurzeit ein internationales Großprojekt mit der BIM-Methode. Wie schwer – oder leicht – ist es, BIM-versierte Partner für solche Bauvorhaben zu finden?
 
Schünecke: Bevorzugt arbeiten wir mit Projektpartnern, mit denen wir bereits gemeinsame BIM-Projekte auf anspruchsvollem Niveau bearbeitet haben. Häufig finden wir uns dann schon frühzeitig im Projekt, beispielsweise im Wettbewerb oder gemeinsamen Bewerbungen auf Projektausschreibungen zusammen. Von Vorteil sind hierbei gemeinsame eingespielte Abläufe in der Projektbearbeitung und die Bereitschaft der Projektpartner frühzeitig zur Projektentwicklung beizutragen.
BIM ist nicht nur Technologie sondern in bedeutendem Maß eine Prozesskultur. Begeisterung, Neugier und die Bereitschaft in Neues und Ungewohntes zu investieren sind von entscheidender Bedeutung. Daher sind wir auch jederzeit bereit unerfahrene, aber BIM-begeisterte Planungspartner in gemeinsamen Projekten zu unterstützen und bieten fuer die Umsetzung den Wissensaustausch mit unserem bürointernen BIM-Team an.
 
NAX: Die Digitalisierung der deutschen Baubranche ist auch ein politisch gewolltes Projekt. Welche Unterstützung wünschen Sie sich von den Ministerien bei der Einführung von digitalen Planungsmethoden in allen Bereichen der Wertschöpfungskette Bau?
 
Schünecke: BIM ist innovativ und laut Umfragen in der Baubranche wird es als wesentliches Instrument für die Steigerung der Produktivität erachtet. BIM bezieht sich auf den gesamten Lebenszyklus von Bauwerken. Die strategische Planung zu Beginn eines Projektes und dessen frühzeitige Integration ist Voraussetzung für eine hohe Effizienz des Gesamtprozesses. Ein durch BIM verursachter, möglicher Mehraufwand, auch besonders in den frühen Projektphasen muss entsprechend honoriert werden. Die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen wären hier hilfreich.
Ein wesentliche Idee von BIM ist die Fortschreibung der Projektdaten über Milestones und Leistungsphasen hinweg. Momentan machen wir die Erfahrung, dass diese Kontinuität an kritischen Punkten im Projektverlauf unterbrochen wird. Mangels entsprechender Technologie und Qualifizierung, werden in der Planung erzeugte komplexe Datenpakete in der Ausführung wieder auf das althergebrachte 2D-Konzept reduziert. Öffentliche Unterstützung und Schaffung von Anreizen könnten hier hilfreich sein, um die bereits in Projekten integrierten Innovationen allen zugänglich zu machen und die Überleitung in die folgenden Projektphasen zu gewährleisten.
 

INTERVIEW MIT BJÖRN FIEGE VON DR. KREKELER GENERALPLANER

© Dr. Krekeler Generalplaner GmbH

BIM-Koordinator Michael Korte (rechts) und der geschäftsführende Gesellschafter Björn Fiege

 
NAX: Herr Fiege, Dr. Krekeler Generalplaner stellen ihre Planung gerade auf BIM-basiertes Arbeiten um. Wie gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor?
 
FIEGE: Wir stehen noch ganz am Anfang der BIM-Einführung. Am Anfang sind dabei sehr wesentliche strategische Entscheidungen erforderlich. Was wollen wir als Büro mit BIM erreichen und wie wird sich BIM künftig auf unser Büro auswirken? Wer fühlt sich für die Implementierung verantwortlich und welches Team und welche Schulungen sind dafür sinnvoll und erforderlich? Wie lange wird die Implementierung dauern und wann können wir mit welchen Zwischenzielen rechnen?
Letzten Endes ist BIM nicht nur ein nützliches Tool, sondern wird auch die gewohnte Arbeitsweise im Büro verändern.
Die Einführung wird bei uns durch einen BIM-verantwortlichen Mitarbeiter koordiniert. Gemeinsam mit zwei weiteren Mitarbeitern wird der Weg zur Implementierung im Team erarbeitet. Unser BIM-Koordinator nimmt derzeit an einem modularen Lehrgang teil, der sich zunächst über einen Zeitraum von einem Jahr erstreckt und die schrittweise Einführung begleitet. Die notwendige Teilnahme an den vielfach angebotenen Schulungsangeboten, der damit einhergehende Zeitbedarf sowie der Aufwand für eine auf das Büro zugeschnittene BIM-Implementierung und damit einhergehende Kosten sind nicht zu unterschätzen!
Auf dem Weg der Implementierung sind u.a. frühzeitig wegweisende Büroentscheidungen zu treffen, wie z.B. die Auswahl der geeigneten Software, closed oder open BIM, eines „Übungsprojektes“ sowie die Mitwirkung von interdisziplinären Partnern.

NAX: Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen, vor denen kleine und mittelständische Architekturbüros bei der Einführung von BIM stehen?
 
FIEGE: Zunächst einmal muss man die Implementierung von BIM wie ein Projekt begreifen, das einer auf das Büro zugeschnittenen Planung bedarf, Mitarbeiter für einen gewissen Zeitraum bindet sowie Zeit erfordert und Kosten erzeugt. Der Mehrwert zeigt sich erst später sobald BIM implementiert und erste Projekte tatsächlich mit BIM bearbeitet werden können. Die BIM-Implementierung erfordert außerdem ein Team, das sowohl eine hohe CAD-Affinität als auch Projekterfahrung mitbringt und die Bürostrukturen gut kennt. All dies stellt besonders kleine Büros vor eine besondere Herausforderung.
Weiterhin sind für erste BIM-Erfahrungen auch passende Projekte und Projektpartner erforderlich. Solche Projekte, die sowohl von ihren Anforderungen passen und gerade in der Anfangsphase stehen, die einen zunächst erhöhten Bearbeitungsaufwand in der Planungsphase zulassen und zudem die Mitwirkung von Partnern und Fachplanern gegeben ist, sind für kleine und mittelständische Büros oft rar.

NAX: Was erwarten Sie sich trotz dieser Hürden vom Planen mit BIM?
 
FIEGE: Die Tendenz in der Bearbeitung komplexer Bauvorhaben geht unweigerlich in Richtung BIM, alleine aus diesem Grund ist es für uns unerlässlich, an der Entwicklung teilzunehmen. Wir persönlich erwarten vom BIM-Einsatz eine Erleichterung der oftmals sehr komplexen Schnittstellenkoordination in der Planungsphase und eine optimale Grundlage für die spätere Ausschreibung und für den Bauablauf.
BIM trägt zur Qualitätssicherung in der Planung bei, kann die Planungsgenauigkeit erhöhen und somit Fehlerpotenzial minimieren. Zudem können auftretende Fragestellungen während der Projektlaufzeit und insbesondere während des Bauprozesses unmittelbarer bewertet werden.
Dennoch sind wir noch skeptisch, inwiefern auch für die vielen von uns bearbeiteten Denkmäler und Bestandsbauten eine BIM-basierte Bearbeitung die erwarteten Vorteile bringt, vielmehr wird für uns eine Entscheidung im Einzelfall oder nach besonderen Projektkriterien erforderlich sein. Hier sehen wir bei BIM noch hohen Entwicklungsbedarf als auch –potenzial, an dem wir natürlich frühzeitig partizipieren möchten.

NAX: Wer BIM-Projekte erfolgreich umsetzen will, braucht Fachkräfte, die die Methode beherrschen. Wie gestaltet sich für Sie die Suche nach qualifiziertem Personal bzw. die Weiterbildung eigener Mitarbeiter?
 
FIEGE: Für uns ist wichtig, dass unsere BIM-Fachkräfte fest bei uns im Büro verankert sind, einen guten Überblick über unsere Projekte und die bisherigen Bearbeitungsstrukturen haben. Nur so kann gewährleistet werden, dass die BIM-Implementierung auch auf unser Büro zugeschnitten wird und unsere Erwartungen erfüllt werden.
Da wir uns stark mit dem Bauen im Bestand und oft sehr speziellen Gebäudeanforderungen beschäftigen, ist nicht jedes Projekt gleichermaßen für BIM geeignet. Es geht also auch darum herauszuarbeiten, wie wir künftig unsere Projekte mit welchen Teams bearbeiten wollen und in welcher Weise ein BIM-Einsatz für uns sinnvoll ist. Da wir als Generalplaner mit langjährigen Partnern zusammenarbeiten ist uns zudem wichtig, diese in die Überlegungen mit einzubeziehen. All diese Einflüsse können  aus unserer Sicht nicht durch neue BIM-Fachkräfte beurteilt werden, sodass wir auf die sukzessive Ausbildung unserer eigenen Mitarbeiter setzen. Glücklicherweise gibt es bei uns ausreichend dafür aufgeschlossene und interessierte Mitarbeiter, die künftig Schritt für Schritt an BIM herangeführt werden sollen.
 
 

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