Logo Twitter
 
Logo LinkedIN
 

NAX Report 01/21: Interview mit Joachim Schares von AS+P

Interview mit Joachim Schares, Geschäftsführender Partner des NAX-Patenbüros AS+P "Wandel durch Annäherung halten wir für wichtiger als Länder und Kulturen auszugrenzen."

Joachim Schares, AS&P

© Uwe Dettmar

Joachim Schares, Geschäftsführender Partner des NAX-Patenbüros AS+P Albert Speer + Partner GmbH und Präsidiumsmitglied der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V.

 

Joachim Schares, Geschäftsführender Partner des NAX-Patenbüros AS+P Albert Speer + Partner GmbH und Präsidiumsmitglied der Ghorfa Arab-German Chamber of Commerce and Industry e.V., spricht in diesem Interview über das Projekt „Innovation Cluster“ in Riad, ein lebendiger, eigenständiger Mixed-use-Stadtbezirk, wie sich die Planungsprozesse in dem Land momentan verändern und wie man in Corona-Zeiten das Exportgeschäft am Laufen hält. Außerdem erklärt er, warum sich AS+P trotz unterschiedlichem Demokratie- und Nachhaltigkeitsverständnis seit 40 Jahren in Saudi-Arabien engagieren

 

NAX: Lieber Joachim, AS+P ist seit langem erfolgreich aktiv in den Ländern der arabischen Halbinsel – eines eurer aktuellen städteplanerischen Projekte ist der „Innovation Cluster“, ein 344 Hektar großes Areal mit insgesamt zwölf Distrikten im Herzen von Riad. Der Entwurf für dieses Wohngebiet stellt den Menschen und seine Umgebung in den Mittelpunkt, unterstützt durch die so genannten Living Streets, die als Teil des Design-Konzepts die Gemeinschaft und den nachbarschaftlichen Austausch fördern sollen. Was unterscheidet dieses spannende Projekt von anderen, die ihr in Saudi-Arabien realisiert habt?

Joachim Schares: Mit dem „Innovation Cluster“ soll ein gemischt-genutzter, lebendiger und autarker neuer Stadtbezirk für die junge aufstrebende Saudi-Generation erschaffen werden. In enger, fußläufiger, Nachbarschaft werden vielfältigste Nutzungen aus Kultur, Bildung, Unterhaltung, Restauration, High-Tech-Gewerbe und Wohnen kombiniert. Es ist das erklärte Ziel, insbesondere für die jüngeren Unternehmer des Landes einen äußerst attraktiven Standort mit einer exzellenten Lebensqualität zu entwickeln und gleichzeitig deren Bildung, Talente und Führungsqualitäten für ein zukunftsfähiges Saudi-Arabien zu fördern. Die Lebensqualität erhöht sich durch die direkte Anbindung an das Wadi Hanifa, in dem Frei- und Sportflächen entstehen werden. Dieses Projekt zeichnet sich durch einen sehr hohen Anspruch an die Planung und eine hochkarätige Organisation seitens des Auftraggebers aus.

 

© AS+P Albert Speer + Partner GmbH | Visualisierung V One

Nachhaltige Landschaftsplanung im Innovationsquartier in Riad, Saudi-Arabien

 

NAX: Wie konntet Ihr diesen Auftrag für Euch entscheiden? Was ist Eure Akquise-Strategie in den arabischen Ländern?

Joachim Schares: Wir haben im städtebaulichen Wettbewerb für das „Innovation Cluster“ den ersten Preis belegt und uns so in einem hochrangigen Bewerberfeld aus 200 internationalen Unternehmen durchsetzen können. AS+P ist in Saudi-Arabien und den angrenzenden Ländern seit über 40 Jahre tätig und wir haben dadurch ein sehr weit gefächertes Netzwerk aus öffentlichen und privaten Auftraggebern. Da wir häufig für die Genehmigungsbehörden arbeiten, werden wir auch an Investoren empfohlen. Zusätzlich versuchen wir uns über mehrstufige, komplexe Wettbewerbsverfahren, die zunehmend von Institutionen wie dem Public Investment Fund ausgelobt werden, für große Entwicklungsaufgaben zu qualifizieren.

 

© AS+P Albert Speer + Partner GmbH | Visualisierung Redvertex

Das „Living Street“ Konzept den neuen Wohnquartieren in Riad, Saudi-Arabien

 

NAX: Kannst du uns etwas über die Baurealität in Saudi-Arabien sagen? Wie unterscheidet sich die Zusammenarbeit von Architektinnen, Bauherren und Behörden dort, wie die Planungs- und Prozessabläufe?

Joachim Schares: So wie das gesamte Land im Zusammenhang mit der National Vision 2030 einem Wandel unterliegt, so wandeln sich Planungsabläufe derzeit ebenfalls. Damit sind manchmal Verantwortlichkeiten und Verfahren nicht geklärt. Sehr häufig sind die Projekte zeitlich und inhaltlich sehr ambitioniert, woraus sich in der Regel ein sehr hohes Arbeitspensum ergibt. Grundsätzlich empfehlen wir die Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, die aufgrund ihrer Erfahrungen, Kontakte und Sprachkompetenz bei lokalen Prozessabläufen viel unterstützen können. Gerade in Pandemiezeiten, wie wir sie aktuell erleben, mit erheblichen Reisebeschränkungen, ist ein gutes Netzwerk mit lokalen Partnern vor Ort ausgesprochen wichtig.

 

NAX: Die Einschätzung des arabischen Marktes ist oft auch recht kritisch geprägt: Manche Büros schließen Projekte in Saudi-Arabien, Katar oder Jemen wegen mangelnder demokratischer Strukturen und Umweltbewusstsein sowie Nichtbeachtung der Menschenrechte für sich aus. Wie positioniert sich euer Büro gegenüber solch kritischen Stimmen?

Joachim Schares: AS+P betrachtet und bewertet jedes Projekt einzeln. Wir arbeiten stets an Projekten, die sich die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen zum Ziel setzen. Wohngebiete mit einer hohen Lebensqualität, mit kurzen Wegen zur Arbeit, zu Kultur und Bildung, Sport, Einkauf und Unterhaltung passen zu unserer Philosophie. Wohn- und Arbeitsstandorte mit integrierten Grün- und Freiflächen und einer nachhaltigen Mobilität, bei der ein besonderes Augenmerk auf den Fußgänger- und Radverkehr und den öffentlichen Verkehr gelegt wird, das sind für uns befürwortbare Projekte.
Solche Projekte sind Teil der Ambition „Wandel durch Annäherung“ zu erzielen, die wir für richtiger halten, als Brücken abzubrechen und Länder und Kulturen auszugrenzen.
Wir sollten zudem nicht vergessen, dass in Ländern mit einem unterentwickelten Demokratieverständnis – neben der arabischen Halbinsel sei hier auch China und Russland genannt – ein Mehr an Umweltbewusstsein wesentlich beim Erreichen globaler Nachhaltigkeitsziele hilft. Wir können diese Länder bei der Dringlichkeit der anstehenden Aufgaben nicht außenvor lassen.

 

NAX: Wie hat sich das Planen und Bauen in dieser Region über die Jahre für AS+P verändert? Wie wirkt sich die Coronakrise z.B. durch Verzögerungen bei der Belieferung sowie Infektionen unter der Belegschaft auf die Projektrealisierung vor Ort aus?

Joachim Schares: Bei der arabischen Halbinsel im Allgemeinen und Saudi-Arabien im Besonderen handelt es sich um sehr dynamische Märkte. Saudi-Arabien befindet sich in einem notwendigen Transformationsprozess der Wirtschaft, von einer erdölbasierten Ökonomie zu einem breiter aufgestellten, industrie- und wissensbasierten Wirtschaftssystem. Daraus ergeben sich große wirtschaftliche und soziale Aufgaben, die sich natürlich bis in die Planungs- und Bauwirtschaft erstrecken. Aufgrund der Größe der anstehenden Aufgaben haben die amerikanischen und angelsächsischen interdisziplinären Consulting-Giganten bei der Projektakquisition deutliche Vorteile.
Die Corona-Krise mit ihren Reisebeschränkungen wirkt sich natürlich negativ auf das Geschäft aus, da derzeit die Grenzen für 20 Staaten – darunter Deutschland – wegen der Corona-Mutanten geschlossen sind, und das vermutlich auch noch länger. Das ist insbesondere nachteilig mit Bezug auf die persönliche Kundenpflege, da auf der arabischen Halbinsel das direkte Gespräch und der persönliche Austausch sehr geschätzt werden. Unter diesen Rahmenbedingungen konzentriert sich das Projektgeschäft weitgehend auf Bestandskunden, die AS+P schon über Jahrzehnte kennen. Die Gewinnung von Neukunden erweist sich als ausgesprochen schwierig. Glücklicherweise ist die digitale Infrastruktur bei AS+P bereits seit Jahren bestens aufgestellt und so versuchen wir den fehlenden direkten Kontakt verstärkt durch Video-face-to-face in interdisziplinären Workshops aufzufangen.   
Wir sind bislang mit unserem Hygienekonzept erfolgreich gewesen und hatten bei drei COVID-Fällen in der 200-köpfigen Belegschaft, die sich alle außerhalb des Büros angesteckt haben, keine weiteren Ausbreitungen unter den Mitarbeitern. Wir hoffen, dass dieser Erfolg mit etwas Glück weiter anhalten wird.

NAX: Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast, lieber Joachim! Wir wünschen Euch weiterhin viel Erfolg und spannende Projekte auf der Arabischen Halbinsel.

 
 
 

Unsere Webseiten verwenden Cookies zur Verbesserung der Bedienung und des Angebots sowie zur Auswertung von Webseitenbesuchen. Dafür setzen wir Matomo ein. Einzelheiten über die von uns eingesetzten Cookies und die Möglichkeit diese abzulehnen, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.