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NAX Report 01/21: Interview mit Thomas Friedrich Schneider, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Maskat / Oman

Thomas Friedrich Schneider, Botschafter in Maskat/Oman Der Oman bietet zahlreiche Anknüpfungspunkte für deutsche Planende

© Auswärtiges Amt

 

Die Corona-Pandemie hat die osmanische Wirtschaft schwer getroffen und auch der öffentliche Bausektor wurde wegen Einsparungen im vergangenen Jahr zurückgefahren. Keine einfache Ausgangssituation für ausländische Planende. NAX sprach mit Thomas Friedrich Schneider, Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Maskat/Oman, über die deutsche Baukunst und Architektur, die in Oman weiterhin sehr angesehen sind und weitere Anknüpfungspunkte für deutsche Planende.  

 

NAX: Sehr geehrter Herr Botschafter Schneider, bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie ging es für den Oman wirtschaftlich bergauf. Auch für deutsche Investoren hat das Land zunehmend an Attraktivität gewonnen. Vor allem der Tourismussektor galt als Zukunftsbranche – hat die Corona-Pandemie dieser positiven Entwicklung nun endgültig Einhalt geboten?

Botschafter Schneider: Die Auswirkungen der Corona-Pandemie haben auch die omanische Wirtschaft schwer getroffen, auch wenn Bereiche wie Logistik oder Straßenbau bisher vergleichsweise gut durch die Krise gekommen sind. Die Passagierzahlen des Flughafens Maskat lagen 2020 mit 4 Mio. um 75% niedriger als im Vorjahr und auch das Fehlen von Kreuzfahrttouristen macht sich bemerkbar. Der wachsende inländische Tourismus kann das nur zum Teil auffangen. Beliebt sind sogenannte „staycations“, also Kurzurlaube im eigenen Land, insbesondere in Hotels der Luxusklasse.
Gleichwohl erwarte ich, dass der Tourismus in Oman bald wieder als Zukunftsbranche betrachtet werden kann. Mit Sonne, Meer, Bergen, Wadis und Wüste sowie einem faszinierenden kulturellen Erbe wird Oman auch in Zukunft Reisende aus aller Welt anziehen. Die omanische Regierung stellt bereits die Weichen für die Zeit nach COVID-19. Der Tourismus ist einer von fünf Schwerpunktbereichen, welche durch gezielte Wirtschafts- und Investitionsförderung besonders entwickelt werden sollen.

 

© Auswärtiges Amt

Botschafter Schneider bei der Übergabe seiner Beglaubigungsschreiben an Seine Majestät Sultan Haitham bin Tarik

 

NAX: Deutsche Architektinnen realisieren auf der Arabischen Halbinsel bereits sehr erfolgreich Projekte – jedoch vornehmlich in Saudi Arabien oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Welche Chancen bieten sich für deutsche Planende im Oman?

Botschafter Schneider: Oman verfügt über eine charakteristische eigene Architektur, die sich ihren traditionellen Charme bewahrt hat. Eine Skyline aus Stahlbeton und Glasfassaden wie in Riad oder Abu Dhabi wird man in Oman nicht finden.
Wegen Einsparungen zur Reduzierung des Haushaltsdefizits wurde der öffentliche Bausektor im vergangenen Jahr etwas zurück gefahren. Der Markt ist dadurch überschaubarer geworden. Begonnene Bauprojekte wurden überwiegend weiter geführt, neue aber zeitlich nach hinten verschoben. Die omanische Regierung bemüht sich sehr um die Schaffung von Arbeitsplätzen für junge Omanis und setzt dies mit Maßnahmen zur ´Omanisierung´ durch. Die Rekrutierung nicht-omanischer Arbeitskräfte unterliegt zunehmenden Einschränkungen.
Interessante Möglichkeiten für deutsche Planende gibt es aber weiterhin vor allem im Straßen- und Dammbau, bei Großprojekten in den Häfen und bei anderen notwendigen Infrastrukturprojekten. Das Inkrafttreten des neuen omanischen Foreign Capital Investment Law (Jan. 2020) hat die Regeln und Beschränkungen für ausländische Investitionen gelockert.
Deutsche Baukunst und Architektur sind in Oman sehr angesehen und werden bisweilen mit landestypischen Stilelementen kombiniert, wie etwa beim Neubau der Deutschen Botschaft. Bei der Ausbildung junger omanischer Architekten und Stadtplaner setzt die German University of Technology („GUtech“) in Maskat, die eng mit der RWTH Aachen kooperiert, zunehmend Akzente. Ich glaube daher, dass gerade deutsche Planende in Oman zahlreiche Anknüpfungspunkte finden können.

 

NAX: Viele Länder der Arabischen Halbinsel engagieren sich mittlerweile stärker im Klimaschutz und der Ressourcenschonung  – welchen Stellenwert nimmt energieeffizientes und klimaschonendes Bauen im Oman ein? Welche Rolle spielen ausländische Architekten dabei?

Botschafter Schneider: Noch ist Nachhaltigkeit in Oman eher ein Nischenthema, das aber stark im Kommen ist. Oman möchte die Abhängigkeit vom Öl überwinden und seine Wirtschaft diversifizieren. Die topographischen und klimatischen Bedingungen bieten ideale Voraussetzungen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien. Photovoltaik etwa ist zwar noch nicht sehr verbreitet, aber es gibt einzelne Pilotprojekte. Ich denke, dass auch bei der Kühl- und Klimatechnik Innovationen und kreative Lösungen zunehmend gefragt sein werden.
Dabei erhält die moderne Technologie bisweilen ihre Inspiration aus der traditionellen Baukunst. An der GUtech haben omanische Studierende in einer Kombination aus herkömmlicher omanischer Bauweise und moderner deutscher Technik ein energieneutrales „Ecohouse“ gebaut.
Die Regierung bereitet eine Novellierung der Bauordnung vor, welche erstmalig spezifische Anforderungen an Energieeffizienz enthalten soll. Ich bin sicher, dass sich hier auch für deutsche Unternehmen neue Chancen ergeben.

NAX: Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview genommen haben, sehr geehrter Herr Botschafter Schneider! Alles Gute!

 
 

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