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NAX Report 02/16: NAX PARTNER: GEZE

NAX Partner GEZE unterstützt deutsche Architekten in Russland

Oleg Nikulin

© GEZE

Oleg Nikulin

 

Interview mit Oleg Nikulin, Geschäftsführer der russischen Tochtergesellschaft der GEZE Gruppe

Seit langem besteht bei deutschen Architekten Interesse daran, sich in Russland zu engagieren. Über die derzeitige Lage der Baubranche, die Chancen und Herausforderungen für deutsche Architekten sowie die Unterstützung, die sie von in Russland ansässigen deutschen Unternehmen erfahren können, hat GEZE mit Oleg Nikulin (O.N.) gesprochen. Er ist Geschäftsführer von OOO GEZE RUS, der in Moskau ansässigen Tochtergesellschaft des internationalen NAX-Partners GEZE. Als einer der Weltmarktführer für Tür-, Fenster- und Sicherheitstechnik ist GEZE seit über 20 Jahren in Russland erfolgreich tätig.

 

GEZE: „Die Auftragslage in der russischen Bauwirtschaft und ihren Zulieferindustrien hat sich 2015 sichtlich eingetrübt.“ Das lesen wir in einschlägigen Publikationen. Wie bewerten Sie die konjunkturelle Lage in der Bauwirtschaft?

O.N.: Die Gesamtsituation bleibt angespannt. In einzelnen Segmenten stagniert die Auftragslage nach wie vor oder hat sich verschlechtert. Gründe dafür sind die gefallenen Exporterlöse, die damit einhergehende Rubelabwertung und der fehlende Zugang russischer Unternehmen zu internationalen Kapitalmärkten. Die Folge sind gedrosselte Investitionen der öffentlichen Hand. Private Investoren stellen im Vergleich zu den Vorjahren ebenso weniger Geld bereit, da Unternehmen Gewinne horten und sich bei neuen Projekten noch zurückhaltend zeigen. Ungeachtet dieser negativen Vorzeichen ist Russland – sobald sich der Investitionsstau aufzulösen beginnt – ein großer und vielfältiger Markt auch für ausländische Unternehmen. Was GEZE betrifft, so ist es uns in Russland dennoch gelungen, trotz schwieriger Marktbedingungen Umsatzzuwächse in unserem Segment zu erzielen.

GEZE: Kann GEZE deutsche Architekten in Russland unterstützen?
O.N.: Wir verfügen über detaillierte Markt- und Landeskenntnisse und die notwendige interkulturelle Kompetenz und sind gerne bereit, dieses Wissen zu teilen. Wir können die Kontaktaufnahme zum Beispiel zu russischen Architekten unterstützen, um Wege zu ebnen, die zu zukünftigen Allianzen führen. In der GEZE Firmenzentrale in Leonberg haben wir zweisprachige deutsche Objekt- und Vertriebsexperten, die den russischen Markt seit 20 Jahren – teils von Deutschland aus, teils vor Ort in Russland selbst – betreuen. Zweisprachig und mit der deutschen Geschäftskultur bestens vertraut sind auch die Objektexperten in unserer Moskauer Tochtergesellschaft. Mit ihren Kollegen der GEZE Niederlassung in Sankt Petersburg verfügen sie über die verschiedensten Kontakte und sind eng vernetzt. Informationen über geplante Bauvorhaben geben sie gerne an deutsche Architekten weiter.

GEZE: An wen sollten sich interessierte Architekten bei GEZE wenden?
O.N.: Für eine Kontaktaufnahme empfehlen wir ihnen zunächst, sich mit den Experten des Geschäftsbereiches Objektmanagement am GEZE Firmensitz in Leonberg in Verbindung zu setzen. (Dipl.-Ing.-Architekt Günther Weizenhöfer, E-Mail: g.weizenhoefer@geze.com)

GEZE: Welche Möglichkeiten gibt es für deutsche Architekten, sich in Russland zu engagieren?
O.N.: Hier möchte ich zwei Aspekte hervorheben, den geografischen und den architektonisch-ästhetischen: Grundsätzlich ist zu sagen, dass in Moskau seit Jahren kontinuierlich gebaut und modernisiert wird. Der potentielle Bedarf an Architektenleistungen ist – wenngleich umkämpft – relativ groß. Dies gilt z. B. für Stadterweiterungs- und Stadtsanierungsprojekte in Moskau, etwa dem Megavorhaben „Moskau City“, einem neuen Stadtteil für rund 1,5 Mio. Einwohner, genauso wie in Sankt Petersburg oder in Kasan, aber auch in den Regionalzentren von Kaliningrad (Königsberg) im Westen bis nach Wladiwostok im Osten. Für die Fußball-WM 2018 werden Sportstadien gebaut. Das Stadtbild und die Infrastruktur aller elf Austragungsorte werden optimiert. Auch Projekte für Büroimmobilien und Industrieanlagen ausländischer Investoren sowie Bauvorhaben für Hotels und Freizeiteinrichtungen sind uns bekannt. Weitere Architekturprojekte gibt es in den an Moskau und Sankt Petersburg angrenzenden Regionen. In den Städten Sibiriens und des Fernen Ostens soll durch den Bau von Wohn- und Sozialeinrichtungen die Abwanderung junger Menschen gestoppt werden. In diese Regionen fließen beträchtliche staatliche Transfers aus dem russischen Zentralhaushalt. Interessante Märkte sind auch die Großstädte entlang der Wolga oder in Südrussland.

Ästhetisches Bauen und die Integration westlicher Architektur in die Stadtbilder sowie nachhaltiges, energiesparendes Bauen haben zugenommen. Projekte mit besonderer Öffentlichkeitswirkung, bei welchen hochwertiges Bauen und moderne Architektur abseits lokaler Traditionen eine Rolle spielen, sowie technisch anspruchsvolle Projekte, die spezielles Know-how und eine professionelle Planung und Projektierung voraussetzen, sind für die russische Bauindustrie schwierig zu realisieren. Die Aufgabe russischer Architekten ist entsprechend ihrer Ausbildung traditionell auf den Vorentwurf und die Genehmigungsplanung begrenzt. Alle nachfolgenden Aufgaben – von der Ausführungsplanung, Baudurchführung bis zur Übergabe des Objektes – übernehmen Generalunternehmer. In Deutschland ist das Leistungsportfolio von Architekten breiter gefächert, so dass dieses umfangreichere Wissen in Russland für sie hilfreich ist. In der Phase des Übergangs zu europäischen Normen dürfte auch das mitgebrachte Wissen über europäische Regelwerke im Bauwesen ein Schlüssel zum Erfolg sein. Selbstverständlich sind russische Sprachkenntnisse erforderlich, um das Marktumfeld und kulturelle Unterschiede zu verstehen und Kontakte zu knüpfen. Sehr schwierig könnte es sein, Honorare zu erzielen, die mit deutschen Honoraren (etwa nach HOAI) vergleichbar sind.

GEZE: Welche Bedeutung haben europäische Normen in Russland?
O.N.: Teilweise bestehen noch immer alte sowjetische GOST- und SNiP-Normen neben neueren russischen Normen. Kontinuierlich werden immer mehr europäische technische Normen der EN-Reihe eingeführt. Ihre Anwendung im eigenen Land wird für die russische Baubranche nach und nach zur Pflicht. Unter den lokalen Projektanten und Bauunternehmen sorgt dieser Umstand für eine gewisse Unruhe, zumal die Umstellung schrittweise erfolgt und sich das Regelwerk in einem ständigen Fluss befindet. Das ist ganz besonders bei neuartigen Bauweisen der Fall, für welche es keine russischen Vorschriften gibt. Für GEZE als kompetenter Partner in einem internationalen Markt ist es selbstverständlich, beide Regelwerke zu beherrschen. Wir versuchen bei sämtlichen Fragen zu unterstützen und Lösungen zu finden. Unsere Erfahrung aus der Ausstattung der verschiedensten Bauprojekte mit Tür- und Fensterlösungen in der Russischen Föderation geben wir ebenso weiter.

GEZE: Wie bewerten Sie das „Anwesenheitsgebot“ deutscher Architekten?
O.N.: Bei der Beteiligung an öffentlichen Bau- oder Beschaffungsausschreibungen sollten ausländische Unternehmen in Russland mit Niederlassungen vertreten sein. Dieses Gebot gilt auch für Projektierungsbüros. Ohne Tochtergesellschaften in Moskau und Sankt Petersberg wäre es für GEZE nahezu ausgeschlossen, Umsätze zu generieren. Für deutsche Architekten schätzen wir die Lage ähnlich ein. Vor-Ort-Präsenz und eine Kenntnis der russischen Mentalität sind für den Aufbau von persönlichen Kontakten unabdingbar. Emotionen haben vom ersten Kennenlernen eines potentiellen Auftraggebers bis zum Auftrag einen höheren Stellenwert als in Deutschland. Ausdauer und Kompromissbereitschaft sind darum in vielerlei Hinsicht sehr empfehlenswert, genauso das Wissen über persönliche Befindlichkeiten, Vorlieben und Abneigungen des anderen.

Referenzobjekte - In Russland hat GEZE verschiedene anspruchsvolle Bauprojekte mit Komfort- und Sicherheitslösungen für Türen und Fenster ausgestattet:

  • Moskau: Hotel Sheraton Palace, Hotel Holiday Inn Riviera-Shopping Mall,
    Multifunktionale Gebäude/Hochhäuser/Einkaufszentren: Evolution-, Merkur- und Eurasia-Türme in „Moskau City“; Mirax Plaza; Dominion Wohnkomplex Reutov Park Shopping Mall (Stadtteil Reutow)
    Bildungsgebäude: Skolkovo School of Management (Skolkovo „Innovations-Stadt“ bei Moskau)
  • Sankt Petersburg: Pulkowo Flughafengebäude
 
 

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