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NAX Report 03/16:Diébédo Francis Kéré

NAX fragt, Francis Kéré antwortet

© David Heerde

Diébédo Francis Kéré

 

NAX: Lieber Herr Kéré, die Philosophie Ihres Büros lautet “mit weniger mehr erreichen” – innovative und nachhaltige Technik in Verbindung mit lokalem Material, lokalem Wissen und lokalen (Bau)Techniken. Ist die Zeit reif für eine neue Generation von Architekten, die mit dieser partizipativen Architektur die soziale Verantwortlichkeit ernst nehmen?

Kéré: Der Gedanke, den Endnutzer eines Architekturprojektes mit in den Designprozess einzubeziehen erweckt zunehmend Neugierde und Interesse. Partizipative Architektur verbreitet sich, und das ist bemerkenswert. Als ich mein Dorf in Burkina Faso mit in die Verwirklichung eines Schulprojektes einbezogen habe, traf ich lediglich die Bedürfnisse der Gemeinschaft. Kollaboration, Partizipation und gegenseitige Hilfe zwischen Mitgliedern eines Dorfes sind die Grundsteine afrikanischer Werte und ich versuche, diese Normen in jedes meiner Projekte einzubeziehen, auch außerhalb Afrikas.

 

Diese Werte sind in der westlichen Welt nicht (nicht mehr) so tief verankert, also müssen sie wieder entdeckt und erforscht werden. Wenn neue Generationen von diesen Ideen inspiriert werden, freuen wir uns auf erfolgreiche Ergebnisse.

NAX: Sie wurden in Berlin ausgebildet – welche Aspekte Ihrer Ausbildung und welche Erfahrungen waren anwendbar bei Ihren Projekten in Afrika? Was haben Sie dort neu- oder wiedererlernen müssen? Und wie hat dieser Prozess Ihre Arbeit / Ihre Projekte beeinflusst, auch außerhalb Afrikas?

Kéré: Als junger Architekturstudent in Deutschland faszinierte mich die rationale Architektur. Die Schlichtheit von Mies van der Rohes Plänen traf sich mit meiner Idee von Architektur, bestehend aus authentischem Material und einfachem, aber präzisen Räumen. Deutsche Bildung gab mir technisches Wissen das ich auch in Afrika anwenden konnte. Sehr inspiriert hat mich die sogenannte solar architecture, welche mir ermöglichte, unter extremen klimatischen Voraussetzungen effizient zu bauen. Die Kombination westlichen Wissens und den traditionellen Aspekten meiner eigenen Kultur – z.B. die Einbeziehung von Communities - dienen als Leitmotiv für meine Arbeitsweise, mit der ich an jedes Projekt herangehe, sei es in Afrika oder woanders.

NAX: Viele junge Architekten würden gern international arbeiten und/oder sich mit ihrem Wissen gern auch sozial einbringen, z.B. in Afrika – wie würden Sie sie motivieren, diesen Schritt hin zu einem ausländischen Markt zu tätigen, was empfehlen Sie zu tun?

Kéré: Junge Architekten mit dem Wunsch, sich der sozialen und nachhaltigen Architektur zu widmen, sind die Zukunft unserer Profession, vor allem in der heutigen globalisierten und offenen Welt. Mein Rat an sie ist: wann auch immer sie mit und in fremden Kulturen agieren, man sollte nie vergessen, zuzuhören und zu entdecken anstatt eigene Modelle oder Gewohnheiten zu reproduzieren oder aufzuzwängen, auch, wenn sie perfekt erscheinen. Wenn wir in einem klimatischen, sozialen oder ökonomischen Umfeld arbeiten, zu dem wir eigentlich nicht gehören, dann müssen wir als erstes davon lernen, müssen zuhören und es annehmen, bevor wir unsere eigene Hilfe aufdrängen. Der erste Schritt zu helfen ist, zu verstehen! Was ich sagen will ist: seid bereit, Euch auf eine lokale, eine andere Kultur einzuschwingen, und vor allen Dingen, seid bereit, Gewissheiten / Sicherheiten loszulassen!

NAX: Wir danken Ihnen sehr für dieses Kurzinterview, lieber Herr Kéré, und wünschen Ihnen für die aktuellen sowie zukünftigen Projekte innerhalb und außerhalb Afrikas weiterhin viel Kreativität und Erfolg.

 

 
 

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