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NAX Report 03/16:ERFAHRUNGSBERICHT EINES INTERNATIONAL ERFOLGREICH TÄTIGEN BÜROS

ERFAHRUNGSBERICHT EINES INTERNATIONAL ERFOLGREICH TÄTIGEN BÜROS: studio303 Architektur bauen in Namibia - Interview mit Dipl.-Ing. Robert Strasser

© Betty Bunderla

Dipl.-Ing. Robert Strasser, studio303

 

NAX: Lieber Herr Strasser, studio303 ist ein interdisziplinäres Büro mit Architekten, Innenarchitekten und Visualisierern, das u.a. auch Projekte in Namibia realisiert hat. Welche Projekte sind dies und wie konnten Sie sie akquirieren?

RS: Begonnen haben wir bereits vor mehreren Jahren, im südlichen Teil Afrikas tätig zu werden. Zu Beginn war dies meist eher eine beratende Funktion im Bereich Design oder neue Energietechniken. Diese Kontakte entstanden oftmals auf Empfehlung von ortsansässigen Personen oder Firmen, welche ich meist durch Zufall bei einem meiner Aufenthalte in Afrika kennengelernt hatte. Nachdem ich am Konzept und am Interior Design zweier Lodges beteiligt war, gelang der eigentliche Durchbruch durch einen gewonnenen Wettbewerb in Angola, der nach der Planungsphase zwar leider nicht realisiert wurde, dennoch aber auf großen Zuspruch in der Öffentlichkeit traf und viele Türen geöffnet hat.

 

Daraus entwickelten sich erst kleinere Projekte, dann größere, wie z.B. der Frisörladen iAM in Windhoek / Namibia, oder der Umbau und die Sanierung eines Motels im Zentrum von Windhoek.
Aktuell bearbeiten wir den Neubau eines Day-Spa Resorts in den Hügeln der Hauptstadt Namibias, mit einem großen Zentralbaukörper im Zentrum des Grundstücks und angeschlossenen vierzig kleinen Bungalows, in denen Spa-Behandlungen und Übernachtungsmöglichkeiten angeboten werden sollen. Das Interessante und zugleich Herausfordernde an dem Projekt ist die Prämisse, alles blindengerecht über die anspruchsvolle Topographie des Geländes zu verteilen, da in der Anlage sehbehinderte Mitmenschen zu Therapeuten ausgebildet werden, um Ihnen eine Möglichkeit zum Erwerb des eigenen Lebensunterhalts zu ermöglichen. Optisch ist die Anlage an eine abstrahierte Form der Nationalpflanze Welwitschie angelehnt, wodurch sich spannende und interessante Diskussionen mit den beauftragten Statikern ergeben.

 

© studio303 Architektur GmbH

Day-Spa Resort bei Windhoek/Namibia

 

NAX: Wie werden Sie als deutsches Architektur- und Planungsbüro in Namibia wahrgenommen? Gibt es eine bestimmte Erwartungshaltung an Sie?

RS: Die Wertschätzung und das Grundvertrauen uns gegenüber als Planungsbüro in Afrika ist ausgesprochen hoch. Im speziellen ist der Titel des deutschen Diplom-Ingenieurs im Ausland generell noch ein Begriff.

 

Automatisch werden wir dadurch mit akribischer Planung, höchstem technischem Standard ebenso in Verbindung gebracht wie mit einer pünktlichen Fertigstellung des Projekts. Die Kunst, diese Erwartungen zu erfüllen, liegt dann in der Ausführungsphase im Wesentlichen darin, dass die landesspezifischen Gepflogenheiten nicht mit unseren doch recht exakten Vorstellungen eines Bauzeitenplans kollidieren.

 

© studio303 Architektur GmbH

Day-Spa Resort bei Windhoek/Namibia

 

NAX: Können Sie uns etwas über die Baurealität in Afrika, in Namibia berichten? Wie unterscheiden sich die Zusammenarbeit von Architekt, Bauherr / Behörde dort, wie die Planungs- und Prozessabläufe (Erfahrungsbericht)? Wie stellen Sie sich auf die interkulturellen Herausforderungen und die wirtschaftlichen sowie politischen Unterschiede ein? Was sind die größten Hürden?

 

RS: Grundsätzlich unterscheidet sich die Planungsphase nicht wirklich von der in Deutschland. Dies liegt unserer Erfahrung nach daran, dass wir die meiste Arbeit in Entwurf und Abstimmung mit dem Bauherren von Deutschland aus erledigen.
Wesentlich schwieriger gestalten sich allerdings dann der Genehmigungsprozess und die Abstimmung mit den örtlichen Behörden; hier ist ein einigermaßen zügiges Weiterkommen ohne eine dauerhaft vor Ort anwesende Person schier unmöglich (Thema Mentalitätsunterschiede).
Auf politischer Ebene kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung bislang keine größeren Probleme vermelden. Hierbei vertrete ich im Generellen die Philosophie, so gut wie irgendwie möglich ortsansässige Kollegen oder Geschäftspartner mit einzubinden, wodurch eine Art semilokales Projekt erwächst und nicht der Eindruck gefördert wird, die lokale Struktur zu schwächen. Wirtschaftlich gesehen verhält sich dies ähnlich: unsere Honorare sind bis zu einem vertretbarem Grad an die lokalen Preise angepasst, wobei die Nebenkosten natürlich höher ausfallen als üblich, was aber bislang durch eben den Umstand der Beauftragung eines auswärtigen Büros grundsätzlich auf Verständnis gestoßen ist.

 

© studio303 Architektur GmbH

Day-Spa Resort bei Windhoek/Namibia

 

NAX: Sehen Sie in Afrika Potential und Chancen für weitere Projekte, die deutsche Planer umsetzen könnten? Was raten Sie Kolleginnen und Kollegen, die sich im Ausland bzw. in Afrika etablieren möchten?

RS: Ich sehe im südlichen Afrika definitiv weiteres Potential, Projekte zu akquirieren und umzusetzen.

 

Dieser Trend zeichnet sich auch darin ab, dass wir mittlerweile als Büro des Öfteren in beratender Funktion und zur Vermittlung von verlässlichen Kontakten für europäische Unternehmen tätig werden. Eine eigenständigen Neu-Akquise für Büros, die noch keine Projekterfahrungen auf dem afrikanischen Kontinent vorweisen können, kann eher schwierig sein. Es besteht durchaus die Gefahr, dass, ohne Personen vor Ort, die als täglicher Ansprechpartner fungieren können, sehr viel Zeit und Arbeitsleistung ohne wirkliches Ergebnis buchstäblich in den Sand gesetzt werden.
Ein probates Mittel aus eigener Erfahrung kann sein, in ehrenamtlichen Hilfsprojekten tätig zu werden. Hier engagieren wir uns seit Jahren in Liberia für ein Projekt der HELOG Academy e.V., welche im März dieses Jahres ihre erste Berufsschule nach dualem System in Monrovia eröffnen konnte. Ziel ist es hierbei, den Schülern, durch Mittel der ortsansässigen Wirtschaft und aus Spendengeldern, eine kostenlose Berufsausbildung zu ermöglichen.
Mit solch einem Projekt werden Sie zwar niemals einen Design-Preis gewinnen, da die zur Verfügung stehenden Mittel meist mehr als begrenzt sind, aber der dadurch direkt hergestellte Kontakt zu potentiellen Auftraggebern führte bereits zu mehreren Anfragen an unser Büro, und selbst wenn dies nicht zu einem Neuauftrag führen sollte, bleibt immer noch das gute Gefühl, keine Zeit verloren, sondern sinnvoll investiert zu haben.

NAX: Herzlichen Dank, lieber Herr Strasser, für diesen interessanten Erfahrungsbericht, und weiterhin viel Erfolg bei Ihren Projekten und Aktivitäten in Afrika.

 

 
 

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