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NAX Report 3/16: Der SOLARKIOSK von GRAFT

Der SOLARKIOSK von GRAFT Interview mit Wolfram Putz (WP), GRAFT Gesellschaft von Architekten GmbH

© Ali Kepenek

GRAFT Gründungspartner: Wolfgram Putz, Thomas Willemeit, Lars Krückeberg (v.l.n.r.),

 

NAX: Was war und ist für Sie als Architekt und sozial denkender/ fühlender Mensch nach wie vor das Wichtigste an dem Social Enterprise SOLARKIOSK?
WP: Uns sind die Menschen am Wichtigsten! SOLARKIOSK ermöglicht Menschen in Subsahara Afrika den Zugang zu sauberer und günstiger Energie und somit zu Kommunikation und Teilhabe an Märkten. Die Idee zum SOLARKIOSK entstand aus dem Bedürfnis, ein einfaches Handy mitten in Sub-Sahara Afrika aufladen zu können.

 

© Ulrich Möller

Solarkiosk

 

Kommunikation ist der Schlüssel zur Welt. Der SOLARKIOSK, eine „Tankstelle“ für saubere, nachhaltige Energie, ist dabei Mittel zum Zweck. Er eröffnet gleichzeitig neue Möglichkeiten: Ein Kind, das nach der Schule auf dem Feld arbeiten muss, kann abends, wenn es bereits dunkel ist, noch seine Hausaufgaben machen, weil der SOLARKIOSK auch Solargeräte, wie z.B. Lampen, verkauft. Der Fischer, der morgens seinen Fang einholt, kann über das Internet die Preise für Fisch in der Hauptstadt vergleichen und so seinen Fisch fair an die Händler verkaufen.

 

„Enable. empower.“ - dieser Gedanken wurde im Claim der Firma. Wir haben den Bedarf nach sauberem und nachhaltigem Strom in Afrika erkannt, sicherlich nicht als erste, und haben durch die Handyrevolution und den Ausbau der Netze festgestellt, dass es eine Lösung für den teuren, umweltschädlichen Generatorstrom gibt. Letztendlich haben wir ein energieautonomes Businessmodell entwickelt, das die wirtschaftliche und somit auch gesellschaftliche Entwicklung in netzfernen Gebieten beeinflussen kann. Sub-Sahara Afrika bietet hierfür einen der größten Märkte der Welt.

 

© SOLARKIOSK

Solarkiosk in Afrika

 

Lange Zeit hatte Solarenergie in Afrika ein schlechtes Images. Die ersten Solarpaneele, die in Afrika installiert wurden, waren wartungsintensiv, störungsanfällig und hatten einen schlechten Ruf in Bezug auf ihre Qualität. Mittlerweile haben wir einen Wendepunkt erreicht: Solarpaneele können hochwertiger und preiswerter produziert werden und garantieren, auch auf dem SOLARKIOSK, langlebige, gute Produkte, die die Menschen in der Umgebung mit Strom versorgen.

 

Besonderen Spaß macht es uns, die Weiterentwicklung des SOLARKIOSK zu sehen und den positiven Einfluss auf die soziale Entwicklung zu beobachten. Wir stellen z.B. häufig Frauen als Unternehmerinnen der SOLARKIOSKE ein, dies stärkt langfristig das weibliche Unternehmertum in einer traditionell patriarchischen Kulturumgebung. Solche Nebeneffekte sind zwar sekundär, trotzdem macht es uns stolz mit der anfänglichen Idee ein Handy aufladen zu wollen, so viel erreicht zu haben.

Das Projekt SOLARKIOSK ist über die letzten Jahre viel größer geworden, als wir es je für möglich gehalten haben. Grundsätzlich halten wir das nicht für ein Wunderwerk, sondern versuchen auch andere anzustiften, aktiv zu werden und ihre Ideen umzusetzen. Das Einzige, was dazu nötig ist, ist vor allem Mut und Durchhaltevermögen!

 

© Ulrich Möller

Solarkiosk in Afrika

 

NAX: Konnten Sie Folgeaufträge akquirieren?
WP: Der SOLARKIOSK war nie ein klassischer Auftrag, sondern ein von uns selbst initiiertes Projekt. Das von Andreas Spieß und GRAFT gegründete Unternehmen hat nie die Dynamik von Auftraggeber und Auftragnehmer inne gehabt. Es ist eher eine Weiterentwicklung dieser Dynamik.
Er ist eine Lösung für etwas, auf das es vorher keine Antwort gab. Idee und Design waren der Ausgangspunkt für den SOLARKIOSK, dies ist uns nicht schwergefallen. Die ersten Hürden haben wir gespürt, als es darum ging, diese bestmöglich in einem Geschäftsmodell zu realisieren.

 

 

© SOLARKIOSK

Solarkiosk im Flüchtlingslager Zaatari/ Jordanien

 

Im weitesten Sinne kann als Folgeauftrag jedoch gesehen werden, dass wir durch die Entwicklung des SOLARKIOKs Schulen in jordanischen Flüchtlingslagern aufgestellt haben und zwischen SOLARKIOSK und der Siemens Stiftung die NGO SolarFountain gegründet wurde.

Eine spezielle Erwartungshaltung hat sich nicht daraus ergeben, viele sehen GRAFT und SOLARKIOSK nicht als zusammen gehörig, deswegen ergibt sich kein Druck auf GRAFT. Dennoch hat sich durch den Erfolg des SOLARKIOSK unsere Reputation erhöht.

 

Wir werden dafür anerkannt, etwas gegen die globale Erwärmung zu tun und uns um soziale Probleme zu kümmern, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. Als hybrid office streben wir danach, neben unseren regulären Aufträgen auch sozial tätig zu sein, eigene Projekte zu initiieren und aktiv zu werden. Diese Projekte haben wir erst kürzlich in unserer Publikation ARCHITECTURE ACTIVISM zusammengefasst.

 

© SOLARKIOSK

Solarkiosk im Flüchtlingslager Zaatari/ Jordanien

 

NAX: Wie weit sind die Solarschulen in den Flüchtlingslagern?
WP: Die Schulen im Flüchtlingslager sind bereits gebaut, z.B. in Zaatari/ Jordanien, dem größten Flüchtlingslager der Welt. Weitere Projekte sind im Gespräch, generell möchten wir uns momentan jedoch darauf konzentrieren, das Standbein SOLARKIOSK zu stärken und uns nicht in zu vielen Projekten zu verzetteln.

Schulen in Flüchtlingslagern zu bauen ist natürlich eine tolle Möglichkeit, Menschen zu helfen und Prototypen aufzustellen. Nichtsdestotrotz wollen wir uns jetzt darauf konzentrieren, den SOLARKIOSK zu skalieren, der generell auch andere Funktionen übernehmen kann - ob als Schule, Krankenhaus oder Administrationsgebäude, er bietet aufgrund seiner modularen Konstruktion vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

 

© SOLARKIOSK

Solarkiosk im Flüchtlingslager Zaatari / Jordanien

 

NAX: Ecken Sie mit Ihren Plänen auch schon mal an?
WP: Wir sind Gestalter und Problemlöser, Innovatoren und Zukunftsliebhaber, für uns ist die Welt nie fertig. Schade wäre, wenn wir nicht mit unseren Ideen anecken würden, das würde bedeuten, dass wir immer das Gleiche machen... So gesehen ist es für uns eher eine Notwendigkeit Neues auszuprobieren und Veränderungen zu bewirken - klar eckt man da manchmal an! Doch solange die neue Idee gut durchdacht ist und eine lebendige Diskussion entsteht, sehen wir darin kein Problem.
Es gibt Märkte die offener gegenüber Neuem sind und in denen es einfacher ist, mit innovativen Ideen zu arbeiten. Aber genau dieser Spannungsbogen zwischen Klassischem und Neuem macht unsere Arbeit spannend. Die Kunden bestimmen in welchem Rahmen von klassisch bis innovativ sich ein Projekt bewegt - wenn letztendlich eine Win-Win-Situation zwischen Architekten und Kunden entsteht, ist das für uns optimal.

 

NAX: Welche Pläne verfolgt das Büro im Ausland?
WP: Durch unsere anderen beiden Büros in Los Angeles und Peking sind wir generell an mehreren Standorten präsent und haben Projekte an verschiedenen Orten. In den USA planen wir Projekte im sozialen Wohnungsbau und Hotels in China und Österreich. Außerdem sind wir mit Projekten in Georgien und weiterhin natürlich in Afrika aktiv. Aufgrund der aktuell guten Konjunktur haben wir zudem viele Projekte in Deutschland.

NAX: Lieber Herr Putz, wir danken Ihnen sehr für Ihre Zeit und wünschen weiterhin viel Erfolg bei den zahlreichen spannenden Projekten!

 
 

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