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NAX-Report 03/20: Sydneys neuer Signature Tower wird süpergrün

Interview mit Martin Reuter von NAX-Pate ingenhoven Sydneys neuer Signature Tower wird supergrün

© ingenhoven architects Doug and Wolf

 
 

Im Mai dieses Jahres erteilte die Stadt Sydney die Baugenehmigung für das Projekt 505 George Street und machte damit den Weg frei für Sydneys zukünftig höchsten Wohnturm. NAX-Pate ingenhoven architects und das australische Büro architectus gewannen mit ihrem Entwurf eines 270 Meter hohen Signature Towers 2018 den internationalen Wettbewerb des Auftraggebers Mirvac und Coombes Property Group. Auf 79 Stockwerken wird der Wolkenkratzer Nutzungen wie Wohnen, Hotel, Einzelhandel, Freizeiteinrichtungen und Kindertagesstätten vereinen und das öffentliche Leben in der Umgebung deutlich vitalisieren. NAX hat mit Managing Director Martin Reuter über das Projekt 505 George Street gesprochen.

 

© ingenhoven architects / Max Brunnert

Martin Reuter

 

NAX: Was genau zeichnet Ihren Entwurf aus und worauf haben Sie besonderen Wert gelegt?

Reuter: Uns war es bei dem Entwurf 505 George Street wichtig, ein ökonomisches, ökologisches, sozial nachhaltiges und zukunftsorientiertes Gebäude zu entwickeln, welches einen lebendigen öffentlichen Raum mit gesundem Wohnen und einem den Stadtraum aktivierenden Podium mit Einzelhandel und Entertainment verbindet. Ziel war, durch sinnvolle Kombination und Konstruktion das Miteinander der verschiedenen Nutzungen so zu gestalten, dass ein zeitloses, heißt nachhaltig flexibles Design entsteht. Im Ergebnis entstand ein charakteristischer Turm, der sich durch seinen ökologischen Nachhaltigkeitsansatz aber auch durch die urbane Integration auszeichnet. Der urbane Ansatz mit der öffentlichen Verbindung durch das Grundstück, die Form des Hauses, die innerhalb des Planungsrechtes die Abstände zu den Nachbarhochhäusern maximiert und Verschattungen minimiert, sowie der Nutzungsmix und die Aktivierung der Straßenfronten spiegeln unseren Ansatz des „friendly neighbours“ wider.

 

© ingenhoven architects Doug and Wolf

 

NAX: Inwiefern steht das Wohngebäude auch für eine nachhaltige wirtschaftliche, ökologische und soziale Entwicklung und welche ortsspezifischen Besonderheiten mussten bei der Planung berücksichtig werden?

Reuter: Wir verfolgen in all unseren Entwürfen das Konzept supergreen ©. Ein grünes Gebäude ist nur möglich, wenn der Energiebedarf so gering wie möglich ist und die Betriebsenergie minimiert wird. Ein erster Schritt in diese Richtung ist eine Gebäudeanordnung, die das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen optimiert, da dieser Aspekt ein wesentlicher Treiber für den Wärmegewinn und folglich für den Energieverbrauch des Gebäudes ist. Oberste Priorität hatte für uns die Energieeinsparung durch passive Mittel wie z.B. einen effektiven Sonnenschutz oder Wintergärten. Technische Systeme wie die Wärmerückgewinnung, wassersparende Armaturen oder Bauteilaktivierung können dann eine weitere Ressourceneinsparung bewirken. Schlussendlich stellt sich die Frage nach Technologien für erneuerbare Energien – hier soll durch die Nutzung der Sonnenenergie ein positiver Beitrag für das Klima und die örtlichen Gegebenheiten entstehen.
Energieeffizienz und thermischer Komfort müssen natürlich gemäß der örtlichen Vorschriften und Bedingungen ausgelegt werden. Daher haben wir auch von europäischen Standards abweichende Konzepte untersucht, da unter den klimatischen Bedingungen in Sydney nicht unbedingt eine hochisolierte doppelt verglaste Fassade immer die beste Lösung ist. Die hohen Temperaturen und die intensive Sonne sind das Hauptproblem, wenn es um thermischen Komfort geht. Sonne ist jedoch auch ein Vorteil, wenn man an Sonnenenergie denkt. Wir sind auf diese Bedingungen mit Hybridkollektoren und Wintergärten eingegangen. Auch die Konstruktion mit den außenliegenden, sichtbaren Stützen hat nicht nur statische Gründe, sondern trägt durch die dem Sonnenverlauf angepasste, abgeschrägte Stützenform wesentlich zur Eigenverschattung und damit Verminderung des Hitzeeintrages bei.

NAX: Welche Rolle spielt der Ort, an dem das Gebäude von 2021-2024 entstehen soll bzw. wie integriert sich das Wohnhochhaus in die Stadt Sydney?

Reuter: Der Turm markiert heute gefühlt den Übergang von Central Business District (CBD) zum südlichen Teil der Stadt mit Einzelhandel, Wohn- und Kulturnutzung. Die George Street als eine der wesentlichen Schlagadern der Innenstadt unterliegt seit einigen Jahren einem wesentlichen Wandel - die verkehrsreiche Straße wird zu einem Fußgängerbereich mit Straßenbahn umgebaut und wird somit eine andere Qualität in Bezug auf den öffentlichen Raum erhalten. 505 George Street antizipiert mit dem öffentlichen Erdgeschoss und Podium schon diese neue Situation. Die öffentliche „through-site-link“ schafft eine neue Vernetzung zwischen Kent Street und George Street und definiert auch die Adresse des Hauses durch die Freistellung des Turmes. Vordächer und die verglaste Straßenwandfassade an der Kent Street bieten Windschutz und bilden einen Eingangsbereich, der sowohl Hotelgäste als auch im Turm lebende Personen willkommen heißt. Dieser kleine, vorgelagerte Platz ist zudem eine Reaktion auf die besondere Situation des gegenüberliegenden denkmalgeschützten Judge House, welches ebenso eine Unterbrechung der ansonsten durchgehenden Straßenfront darstellt.

 

© ingenhoven architects / Doug and Wolf

 

NAX: Wie erleben Sie im Allgemeinen das Arbeiten und den Planungsprozess in Australien und wie unterscheidet sich dieser Ihrer Erfahrung nach vom Planen und Bauen in Deutschland?

Reuter: Wir erleben die Zusammenarbeit als sehr positiv. Unser Konzept von Nachhaltigkeit wird im australischen Kontext sehr geschätzt und trifft die Anforderungen, die dort an zukunftsfähige Gebäude gestellt werden. Interessant ist hierbei, dass Lösungen, die in Deutschland immer noch nicht Standard sind, in Australien schon lange erwartet und gefordert werden – die Integrierung von Kindertagesstätten in Gebäuden oder die selbstverständlichen End of Trip Einrichtungen (Duschen, Spinde, Fahrradladestationen etc.) können hier als Beispiel dienen. Hohe Häuser sind in Deutschland eher die Ausnahme und man merkt, dass die vielfältigen Erfahrungen von Bauherrn, Planern und Behörden mit dem Thema zu einem hohen Maß an Professionalität im Umgang mit der Bauaufgabe Hochhaus führen und den Prozess somit interessant und erfahrungsreich machen.

NAX: Vielen Dank, Herr Reuter, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten!

 
 
 

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