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NAX-Report 04/19: KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER, Planen und Bauen in Rumänien

KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER Planen und Bauen in Rumänien: Anspruchsvolle Bauaufgaben zwischen Denkmalschutz und Erdbebensicherheit

© KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER

Stadtpfarrkirche Hermannstadt

 

Text: Björn Fiege, KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER

Unser Markteinstieg in Rumänien kam durch eine Anfrage der GTZ (heute GIZ) im Jahr 2002 zustande, die uns zur Erstellung einer Gestaltungssatzung für Sibiu (dt. Hermannstadt) hinzuzog. Seit dem Mittelalter ist die Region durch die „Siebenbürger Sachsen“ geprägt, die u.a. mit zahlreichen wehrhaften Kirchenburgen ein wertvolles und gut erhaltenes Kulturerbe hinterließen. Die Nachwendezeit eröffnete Sibiu mit seiner denkmalgeschützten Innenstadt neue Möglichkeiten, barg jedoch auch die Gefahr einer unkontrolliert einsetzenden Bautätigkeit, die einen Verlust des intakten mittelalterlichen Erscheinungsbildes bedeutet hätte.

Nachdem Sibiu 2007 europäische Kulturhauptstadt und Rumänien EU-Mitglied wurde, erreichte uns 2008 eine dringliche Anfrage der Evangelischen Kirchengemeinde: Das historische Gewölbe der stadtbildprägenden Stadtpfarrkirche in Sibiu war wegen umfangreicher Schäden und unzureichendem Erdbebenschutz als akut einsturzgefährdet diagnostiziert worden und der Kirchenraum bis auf weiteres großflächig gesperrt. Die EU hatte Fördermittel in Aussicht gestellt, jedoch war in kürzester Zeit eine fundierte Planung nebst Baugenehmigung einzureichen.

 

© KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER

Gewölbeabstützung Stadtpfarrkirche

 

Unterstellt man in Deutschland oft einen hohen Formalismus, so ist man über den Umfang der in Rumänien einzureichenden Unterlagen zunächst überrascht. Da es sich um statische Eingriffe an einem nationalen Denkmal handelte, gab es eine Vielzahl an staatlich zugelassenen „Denkmalexperten“, die maßgeblich am Planungs- und Genehmigungsprozess zu beteiligen waren. Um als beauftragter Planer im Kreis der Beteiligten verantwortlich planen zu können, war es notwendig, die örtliche Bauvorlageberechtigung zu erlangen und ebenfalls als Denkmalexperte anerkannt zu werden. Dies gelang uns durch die Unterstützung der europäischen Architektenkammer und nach Absolvieren einer mündlichen Prüfung durch das Rumänische Kulturministerium. Jedoch stießen wir mit unserer Haltung einer denkmalgerechten Sanierung unter Beachtung eines angemessenen Erdbebenschutzes regelmäßig an formale Grenzen, da die behördlichen Forderungen eines uneingeschränkten Erdbebenschutzes mit der über 500 Jahre alten Kirche nicht in Einklang zu bringen waren und somit die Förderung gefährdet war. Letztlich konnte ein technisch sehr aufwändiger Kompromiss gefunden werden.

 

© KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER

Residenz Bukarest

 

Unsere gewonnenen Erfahrungen und das mittlerweile vertraute örtliche Netzwerk nutzten wir für die Generalsanierung und Erdbebenertüchtigung eines denkmalgeschützten Gebäudes in Bukarest, das im Auftrag des BBR zur Residenz des deutschen Botschafters umgebaut wurde. Mittlerweile waren wir auf die besonderen genehmigungsrechtlichen Anforderungen vorbereitet und konnten insbesondere mit unserem Konzept der Erdbebensicherung auf engstem Raum die extern einzubindenden Experten überzeugen. Bisher war es in Rumänien auch bei Denkmalen üblich, Gebäude fast vollständig zu entkernen und anschließend den historischen Vorzustand nachzubilden. Unser Konzept hingegen bestand in einem hochbewehrten Stahlbetonkern, der das Gebäude vertikal durchzieht und alle Geschossdecken kraftschlüssig verbindet. Die historischen Räume und Oberflächen konnten so erhalten und restauriert werden. Eine besondere Herausforderung war es, die mit üppigem Stuck verzierte Decke über der Beletage zu erhalten. Sie wurde in eine Stahlbeton-Holzverbunddecke integriert, die ausschließlich von oben eingebaut werden konnte.

 

© KREKELER ARCHITEKTEN GENERALPLANER

Residenz Bauphase Flur

 

Bis heute sind wir in Rumänien tätig. Derzeit unterstützen wir die Stiftung Kirchenburgen bei der Schadensbewertung und der Vorbereitung von Notsicherungsmaßnahmen an besonders gefährdeten Kirchenburgen in Siebenbürgen. Die dortige Kirchenburgenlandschaft ist mittlerweile als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuft. Es ist diese reiche und weitgehend erhaltende Denkmallandschaft, die uns bis heute fasziniert und immer wieder in das Land zurückzieht. Hierin liegt ein großes Potential zur sensiblen Weiterentwicklung der historischen Städte. Für Architekten in der Denkmalpflege bieten sich nicht immer unkomplizierte, in jedem Fall jedoch spannende Herausforderungen.

 
 

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