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Als NAX-Pate aktiv in China II

Als NAX-Pate aktiv in China II: Initiative „Architektenkammer“ Interview mit Dipl.-Ing. Dita Leyh, Gesellschafterin ISA Internationales Stadtbauatelier

ISA Internationales Stadtbauatelier Gruppenfoto

© ISA Internationales Stadtbauatelier

ISA Internationales Stadtbauatelier Gruppenfoto

 

NAX: Sie sind mit dem Büro ISA Internationales Stadtbauatelier in China aktiv und setzen sich dort für die Einrichtung einer „Architektenkammer“ für ausländische Architekten ein. Was möchten Sie damit bewirken?
 

DL: Wir versprechen uns von der Etablierung einer solchen „Architektenkammer“ mit dem Arbeitstitel FDCOC (Foreign Design and Consulting Offices in China), bei dem sich die „nicht chinesischen“ Planungsbüros zusammenschließen, mehrere Vorteile:

 
  • Urheberrecht. Die Aufnahmekriterien sollen etablierte ausländische Büros von den sogenannten „Fake-Offices“ abheben. Dies sind vorgeblich internationale Büros, jedoch mit rein chinesischer Besetzung, die in den vorgeblichen „Ursprungsländern“ nur eine Briefkastenfirma unterhalten, oder Büros, die unter dem Namen tatsächlich existierender internationaler Firmen am Markt als „Kopie“ operieren. Auch unsere Auftraggeber sollen damit geschützt werden.

  • Kommunikationsplattform. Es soll eine Kommunikationsplattform geschaffen werden, die den Informationsaustausch von Brachen-spezifischen privaten und öffentlichen Akteuren fördert und damit Chancen für den Aufbau eines gemeinsamen Informations- und Servicepools (z.B. Übersetzung neuer Baugesetze), Forschungszusammenarbeit, Networking, Akquisition und öffentliche Diskussion schafft.
     
  • Professionelle Standards. Durch den Zusammenschluss und das „Sprechen mit einer Stimme“ können in Abstimmung mit den chinesischen öffentlichen und privaten Akteuren professionelle Standards entwickelt werden, wie z.B. Planungs-Qualität-Standards, Definition von Planungsleistungen, Vertrags- und Honorarmodalitäten, Bürolizenzen.

  • Effektivität. Die Vereinigung und Zusammenarbeit der einzelnen Büros, die bisher jeweils völlig unabhängig voneinander auf dem chinesischen Markt agieren, kann redundante Aufgaben und Investitionen reduzieren.


NAX: Wie ist der aktuelle Stand des Vorhabens, wie kommen Sie voran, welchen Hürden müssen Sie begegnen?

DL:
Bisher gab es eine Reihe von Arbeitstreffen mit mehr als 10 Planungsbüros, in denen die Grundzüge der Organisation besprochen wurden, und wir haben vergangenes Jahr bei einem Forum des Design Institutes der Tsinghua Universität in Peking mitgewirkt. Im März soll es das nächste Arbeitstreffen geben und gemeinsame Aktivitäten konkretisiert werden, darunter z.B. eine gemeinsame Projektdatenbank und öffentlichen Foren sowie der Organisationsaufbau durch die Vorbereitung eines Memorandums. Von Seiten der chinesischen Behörden wurde das Vorhaben bisher positiv aufgenommen, die Urban Planning Society of China (USPC) zeigt Interesse die neue „Kammer“ als Abteilung unter ihr Dach aufzunehmen.
Allerdings gibt es natürlich auch Hürden. Allen voran ist hier die zeitliche Hürde zu nennen. Da die Mitarbeit bisher ehrenamtlich abläuft, ist es natürlich schwierig, Mitstreiter zu finden, die sich nicht nur interessieren, sondern neben der Arbeit auch im Aufbau der Kammer engagieren. Da sich die einzelnen Büroprofile in ihrer individuellen Ausprägung zum einen überschneiden und andererseits auch voneinander stark unterscheiden, muss insbesondere auch ein ausgewogener Ausgleich und eine maßgeschneiderte Einbindung erfolgen, was den Gründungsprozess gewissermaßen anspruchsvoller macht. Da wir Pionierarbeit betreiben müssen erst klare gemeinsame Stärken und Aktivitäten entwickelt und feste Strukturen geschaffen werden.
 

NAX: Vielen Dank, liebe Frau Leyh, und weiterhin viel Erfolg bei dieser Initiative!